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Museumsverein

Der im Februar 2002 gegründete Museumsverein übernimmt die Trägerfunktion des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte, die bislang vom Christlichen Schulverein Lippe e.V. ausgeübt wurde...

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Nach langen Wegen. Russlanddeutsche in Geschichte und Gegenwart

26.04 – 21.06 2009
Stadtmuseum Gütersloh

Was ist deutsch am Russlanddeutschen? Was blieb russisch am Deutsch-Russen? Falsche Fragen, begriffliche Verwirrung und eine Fülle von Vorurteilen bestimmen das Bild der größten Gruppe von Zuwanderern, die seit zwei Jahrzehnten unser Land bereichern. Sowohl ihrer Vorgeschichte als auch ihrer aktuellen Lebenssituation geht die Ausstellung: „Nach langen Wegen. Russlanddeutsche in Geschichte und Gegenwart“ genauer auf den Grund.

Russland und Deutschland verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. 1763 wanderte die größte von zwei früheren Gruppen (Baltische Deutsche, Städtische) bäuerlichen Deutschen nach Russland aus. Der gravierende Unterschied zwischen den Verhältnissen in Deutschland (Krieg, große Steuerlast, Landlosigkeit, Wehrdienst) und den gegebenen Privilegien in Russland bewegte die vielen Deutschen nach Russland zugehen.   Den Russen waren die Deutschen eine willkommene Hilfe zur Erschließung und Entwicklung ihres unendlich scheinenden Landes. Nach anfänglicher Integration, wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Bedeutung im 19. Jahrhundert erlebten die Deutschen im Russland bzw. der Sowjetunion des 20. Jahrhunderts Intoleranz, Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung. Als nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems die Ausreise nach Deutschland möglich wurde, fanden sich die als Spätaussiedler bezeichneten Rückkehrer im Land ihrer Vorväter häufig unverstanden als Fremde wieder.

Die Ausstellung soll weit verbreitete Vorurteile beseitigen und eine gemeinsame und verbindende Geschichte freilegen. Sie soll einen Beitrag zur Integration leisten durch die Präsentation russlanddeutscher Lebenswege und Geschichten, die den Einheimischen in Gütersloh und Umgebung fremd sind. Sie bekannt zu machen, soll zum anderen zu mehr Verständnis für die Motive, Lebensweisen und kulturellen Besonderheiten der Zugezogenen führen. Im Mittepunkt stehen zahlreiche authentische Exponate aus dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold, die von der Leiterin Dr. Katharina Neufeld für Gütersloh zusammengestellt wurden. Nach intensiver Zusammenarbeit mit den örtlichen Kulturvereinen können vielfach abenteuerliche Lebenswege von Menschen vorgestellt werden, die in Gütersloh eine neue Heimat fanden. Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm beinhaltet Musik, Folklore und Literatur. Ein umfangreiches Angebot von Dokumentarfilmen vermittelt die eindrucksvollen Geschichten vom Weggehen und Ankommen.

In drei Schaufenstern ist die Alltagskultur der Russlanddeutschen dargestellt: Hier das Arbeitszimmer der Frau. Neben ihr ist ein kleines Kind/Puppe in der Wiege, wo die ganze Ausstattung aus originalen Sachen bestehen. Die Frau ist in nachgenähten alten Trachten angezogen. Sie hat Stricknadeln in der Hand, was über ihre Fähigkeiten spricht. Alle Textilien im „Zimmer“ sind von russlanddeutschen Frauen angefertigt.

Eine Frau in Trachten der 50-60er Jahre (20 Jh.) befindet sich in einer improvisierten „Küche“, wo rechts ein Herd, Rukomojnik und ein Wandkalender zu sehen sind. Hinter der Frau ist ein Regal mit Küchenbedarf.

Im Ausstellungsraum „Wie und wann die Deutsche nach Russland kamen“ ist eine Porträtsgalerie ausgestellt, wo Russlands berühmte Deutsche zu sehen sind. Vorne eine Vitrine mit Geldscheinen und Münzen aus dem 18., 19. und 20. Jh.

Der Übergang vom Thema „Gute Zeiten“ zum Thema „Sowjetzeit. Warum sind die Russlanddeutsche zurück nach Deutschland gekommen?“ wird mit einem improvisiertem „Schlagbaum an der Grenze“ dargestellt.

Thema Alltagskultur „Wohnzimmer“

Vitrine mit Werkzeug (oben) von den deutschen Handwerkern in Russland. In der selben Vitrine unten werden Produkte, sowie Fotos der industriellen Betriebe der Deutschen in Russland vor 1917 präsentiert.

 

Neue Westfälische. Gütersloher Zeitung, 24.04.09
Von Conrad Schormann

„Nach langen Wegen. Russlanddeutsche in Geschichte und Gegenwart – ab Sonntag im Stadtmuseum“

Gütersloh. Russlanddeutsche oder Deutschrussen? Aussiedler, Umsiedler, Emigranten oder Einwanderer? Wer die Russlanddeutsche sind, woher sie kommen und wie sie sich im Land ihrer Vorväter zurechtfinden, das zeigt ab Sonntag, 26. April, eine Ausstellung im Stadtmuseum Gütersloh.

„Nach langen Wegen“ heißt die Ausstellung – aus gutem Grund, denn die Familien der heute in Deutschland lebenden Russlanddeutschen haben lange Wege hinter sich, die sich über Generationen und tausende Kilometer erstreckten. Aber um diese Wege, sagt Museumsleiter Rolf Westheider, gehe es weniger, sondern um die Stationen am Ende des Wegs. Und um Gegenstände, die die Menschen auf diesen Wegen begleitet haben, vom Waschbrett bis zur Bibel. Etwa 300 Exponate werden bis zum 21. Juni zu sehen sein.

Stellvertretend dafür ziert eine – unscheinbare, auf den ersten Blick – kyrilisch beschriftete Holzkiste das Plakat zur Ausstellung. In dieser Kiste, seit Anfang der 90er im Besitz des Museums, hat einst eine Familie ihr Hab und Gut auf den langen Wegen vom sibirischen Omsk nach Rügen geschickt. Etwa 1,50-mal 1,50 mal 1 Meter – „das war das Normmaß“, sagt Westheider. „Die Kiste spricht Bände über die Schicksale, die wir hier zeigen“.

Wir, das sind neben der Stadtstiftung und dem Heimatverein als Träger des Museums vor allem Dr. Katharina Neufeld, Leiterin des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte (Detmold) und Mitstreiterinnen der russlanddeutschen Kulturvereine in Gütersloh. Letztere veranstalten ihre Integrationskurse ohnehin in den Räumen des Museums, geleitet von Dr. Irma Gomer, die sich auch für die jetzige Ausstellung eingagiert hat. „Deswegen steht diese Ausstellung nicht im luftleeren Raum, sondern sie ist das Ergebnis intensiver Vernetzung auf vielen Ebenen“, sagt Westheider.

„Die ausgestellten Dinge erzählen unsere Geschichte“, sagt Neufeld, die jetzt zum dritten Mal eine Ausstellung außerhalb ihrer Detmolder Institution organisiert. Die Wege der Exponate decken sich vielfach mit denen der Menschen. So verhält es sich etwa bei einer Truhe, 1929 in Deutschland produziert, dann nach Russland verkauft und von dort wieder mit nach Deutschland geschafft von einer Familie, die nach Jahren der Schikane und Unterdrückung zurückkehrte.

Nicht nur an Deutsche ohne russischen Hintergrund wendet sich die Ausstellung. „Viele Russlanddeutsche kennen ihre Geschichte nicht“, sagt Historikerin Neufeld. „Wie auch. Warum wir verfolgt wurden, hat uns niemand erklärt“. Speziell in der ersten Hälfte des 20. Jahhunderts „ging es angesichts all der Erlasse gegen Deutsche vor allem darum zu überleben“.

Die Ausstellung

„Nach langen Wegen“ eröffnet am Sonntag, 26. April, im Stadtmuseum. Zu besichtigen ist sie dann bis zum 21. Juni dienstags bis freitags jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonnags von 11 bis 17 Uhr. 300 Exponate werden gezeigt. Neben den Objekten veranschaulichen Schautafeln die bewegte Schicksale und russlanddeutsche Gegenwart.



Westfalen-Blatt Nr. 95, Freitag 24. April 2009, S. 19
Artikel von Peter Bollig

„Der lange Weg der Russlanddeutschen. Ausstellung im Stadtmuseum beleuchtet Geschichte der Aus- und wieder Eingewanderten“

Gütersloh (WB). 2,3 Millionen Russlanddeutsche sind seit 1950 in die Bundesrepublik übergesiedelt, die massive Wanderung der Spätaussiedler seit Ende der 1980er Jahre ist noch sehr präsent, die Bemühung um deren Integration läuft auf vollen Touren. Mit der Geschichte der Russlanddeutschen, die viel weiter zurückreicht, beschäftigt sich nun eine Ausstellung im Stadtmuseum.

„Nach langen Wegen“ ist der Titel der Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird. „Geschichten vom Weggehen und Ankommen – das sind oft die spannendsten“ sagt Museumsleiter Dr. Rolf Westheider. „Dazwischen liegen Wege. Hier sind es lange, manche davon verlaufen wie eine Odyssee. „Von diesen Wegen berichtet die neue Ausstellung im Stadtmuseum, und sie zeigt vor allem, dass sich Russlanddeutsche nicht erst nach der Öffnung der Sowjetunion auf den Weg gemacht haben.

Die Geschichte beginnt vor tausend Jahren, als erste Gruppen aus Deutschland nach Russland gingen, um sich dort anzusiedeln. Vor allem aber im 18. Jahrhundert zu Zeiten Peters des Großen und Katharina II. siedelten sich Deutsche im Zarenreich an, gründeten eigene Städte, prägten sie mit deutscher Architektur und pflegten die Kultur, die sie ins Land mitgebracht hatten. Als sie von Verfolgung bedroht waren, gingen viele von ihnen wieder auf Wanderschaft. So gab es größere Wanderungswellen nach der Oktoberrevolution und dem Ende des ersten Weltkrieges, mit der sich aus Russland zurückziehenden Wehrmacht 1943 sowie nach dem zweiten Weltkrieg und schließlich ab 1987. Vor allem der Stalinismus hatte der deutschen Kultur in Russland zugesetzt, als die deutsche Sprache verboten, Deutsche umgesiedelt wurden.

Die Ausstellung „Nach langen Wegen“ zeigt mit 300 Exponaten diese Geschichte auf, sie zeigt auf Karten die Siedlungsgebiete, auf Bildern die Spuren deutscher Kultur und nennt die Namen der Deutschen, die in Russland Wichtiges bewirkt haben. Sie dokumentiert aber auch die Rückkehr nach Deutschland mit Gegenständen, die die Spätaussiedler mitgebracht haben. Die Stücke stammen überwiegend aus dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold, in dem dessen Leiterin Dr. Katharina Neufeld sammelt, was Aussiedler in Kisten und Koffern mitgebracht haben. Das sind vor allem Alltagsgegenstände wie ein Waschbrett aber auch Ungewöhnliches wie ein Physharmonium aus der Zeit um 1900 „mit einer ganz besonderen Geschichte“, wie Dr. Neufeld erzählt. So wurde das Musikinstrument in Deutschland gebaut, nach Russland an eine Familie verkauft, die enteignet wurde und das Harmonium verstecken musste. Später lernten Kinder dieser Familie, darauf zu spielen, bis es 1989 mit nach Deutschland auswanderte.

Bezeichnend ist auch eine Kiste aus dem Magazin des Stadtmuseums, in der Aussiedler ihre Habe verstauten und die die genormte Menge vergab, die die Aussiedler der 1980er und 1990er Jahre mitnehmen durften. Unterstütz wird die Ausstellung von drei russlanddeutschen Frauen aus Gütersloh, die sich als Leiterinnen eines Integrationskurses – auch der findet regelmäßig in den Räumen des Stadtmuseums statt – engagieren: Inna Merlein, Dr. Irma Gomer und Olga Röther. Sie wollen vor allem einen Beitrag zum Verständnis für die Russlanddeutschen leisten – 6725 haben sich zwischen 1990 und 2006 allein in Gütersloh angesiedelt – und Vorurteile ausräumen.

Für Dr. Neufeld geht es in ihrer Arbeit darum, die russlanddeutsche Geschichte und die Kultur zu dokumentieren. Auch für die Nachwelt. Denn eine Zukunft habe diese Kultur nicht: Durch die Integration der Russlanddeutschen, die sie sehr befürworte, „wird sie bald verschwunden sein“. Und in Russland sei sie nach Jahrzehnten der Unterdrückung gar nicht mehr vorhanden.

Die von der Stadtstiftung geförderte Ausstellung wird am Sonntag mit einem Rahmenprogramm um 11.30 Uhr eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 21. Juni.



„Die Glocke“ Gütersloh, Freitag, 24. April 2009
Pötter
Stadtmuseum Gütersloh

„Zukunft gibt es nicht ohne Vergangenheit“

Gütersloh (upk). „Geschichte vom Ankommen und Gehen sind die spannendste“, findet Museumsleiter Dr. Rolf Westheide. Er hofft, dass die Sonderausstellung „Nach langen Wegen“ auch in Gütersloh auf Interesse stößt. Sie beschäftigt sich mit der oftmals schwierigen Situation Russlanddeutscher in Geschichte und Gegenwart und wird – unterstütz durch die Stadt-Stiftung – in Zusammenarbeit mit dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold präsentiert.

Eröffnet wird die als Beitrag zur Integration verstandene Schau, in deren Mittelpunkt zahlreiche authentische Exponate stehen, am kommenden Sonntag um 11.30 Uhr von der Vorsitzenden der Heimatvereins Gütersloh, Renate Horsmann. Die Einführung übernimmt die Leiterin des Detmolder Museums, Dr. Katharina Neufeld.

„Was ist deutsch am Russlanddeutschen? Was blieb russisch am Deutsch-Russen? Das Bild der größten Gruppe von Zuwanderern, die seit zwei Jahrzehnten unser Land bereichern, sei nicht selten durch eine Fülle von Vorurteilen bestimmt, so Dr. Westheider. „Diese zu beseitigen und die gemeinsame und verbindende Geschichte freizulegen, gehört zu den Zielen der Ausstellung“. Allein in Gütersloh gebe es 6725 Bürger, die aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugezogen seien, berichtete der Museumsleiter. Hätten die Auswanderer in den 50er-Jahren lediglich zwei Koffer mitnehmen können, so seien die Russlanddeutschen 1994/1995 mit ihrem in große Container verstauten Hab und Gut nach Deutschland gekommen.

In der Ausstellung gehe es zudem um Informationen über berühmte Deutsche, die musikalische Kultur, um Landwirtschaft, Handwerk und das Gesundheitswesen. Aufgebaut sind Beispiele russlanddeutscher Alltagskultur wie ein Wohn- und Arbeitszimmer sowie eine Küche.

Das Museum in Detmold ist 1996 eröffnet worden. Aus den damals 56 Gegenständen ist ein beeindruckender Fundus geworden. Außer einer Bibliothek mit 6000 Bänden verfügt es heute über ein Foto- und Videoarchiv und eine große Zahl ganz unterschiedlicher Gegenständer des täglichen Gebrauchs. Foto: Mehr Verständnis für die Motive, Lebensweisen und kulturellen Besonderheiten der Zugezogenen wecken (v. l.) Museumsleiter Dr. Rolf Westheider, Olga Röther, Dr. Irma Gomer, Heimatvereinsvorsitzende Renate Horsmann, Nina Spallek (Geschäftsführerin Stadtstiftung), Inna Merlein und Dr. Katharina Neufeld am Harmonium.

Musik, Folklore und Literatur

Besonders sehenswert an diesem Fundus ist ein über 100 Jahre altes Fußharmonium der Firma Müller, das seinen Weg zurück in den Westen – per Container – genommen hat und zu den Höhepunkten der Schau zählt. Umrahmt wird die Eröffnung durch ein abwerslungreiches Begleitprogramm, das Musik, Folklore und Literatur beinhaltet. Ein spannendes Angebot von Dokumentarfilmen rundet die eindrucksvollen Geschichten vom Ankommen und Weggehen ab.

Das Stadtmuseum Gütersloh, Kökerstraße 7 – 11a, hat dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

 

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