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Museumsverein

Der im Februar 2002 gegründete Museumsverein übernimmt die Trägerfunktion des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte, die bislang vom Christlichen Schulverein Lippe e.V. ausgeübt wurde...

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Die städtische Deutschen

Mit Russland waren die Deutschen seit der Kiewer Rus‘ bekannt. Sie kamen hierher um als Baumeister (in Wladimir 12. Jh.), Geistliche (Burchard in Kiew im 11. Jh.),  oder Kaufleute tätig zu werden. Wenn die Geistliche auch wenig Erfolg hier hatte, so waren die dynastischen Verbindungen weniger betrüblich, aber ebenso episodenhaft (Fürst Wjatscheslav mit Oda, Nichte von Kaiser Heinrich III).  In mehreren Städten wie Nowgorod, Pskov, Archangelsk, Nishnij Nowgorod  wurden Gasthöfe – Gostinyj Dvor – gebaut, wo sich die Kaufleute zu Hause fühlten.

Viele Deutsche, die sich unter Iwan III. und Wassilij III. in der Moskauer Rus‘ ansiedelten, waren Militärs. Deutsche Waffenschmieden und Handwerker wurden vorwiegend gebraucht. Deutsche Minenleger wurden bei der Bekämpfung der Tataren gebraucht. Die erste deutsche Siedlung in Moskau war bereits Anfang des 16. Jahrhunderts unter Wassili III. entstanden. Als sie 1571 zum Opfer einer Feuersbrunst viel, entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jh. am Jausa-Ufer eine weiter Siedlung, die Nemeckaja Sloboda, jetzt als Lefortowo bekannt. Ihren Kern bildeten Söldner, die als Kriegsgefangene nach Moskau gebracht wurden. Hier wurde nach A. Keller die erste evangelische Kirche in Moskau 1575 aufgebaut. Moskau wurde zum Ende des 19. Jahrhundert das zweitgrößte städtische Zentrum der Deutschen im Russischen Reich. 1912 waren 28 500 Deutsche unter 1,5 Mil. Einwohner Moskaus, was bedeutete, dass sie die zweitgrößte ethnische Gruppe nach den Großrussen bildeten. 13 % von den Kaufmännern in Moskau waren Deutsche. Bekannt wurden große Unternehmer wie Gustav List (Maschinenbau), Emil Lipgardt (Zementbetrieb), Julius Heuss (Schokoladenkönig genannt), Textilienproduzent Ludwig Rabeneke, der Bankier Junker, die Besitzer der Großfirmen wie „Ludwig Knopp“ und „Wogau & Co.“

„...die deutsche Siedlung ist eine Stufe zu Petersburg, wie Wladimir die Stufe zu Moskau war“, so S. M. Solowjow.

Die Gründung St. Petersburg (1703) war das wohl deutlichste Symbol für den Willen Peters des Großen, Russland nach westeuropäischem Vorbild zu modernisieren. Um seine Modernisierungspläne mit Hilfe ausländischen Fachpersonals verwirklichen zu können, hatte Peter bereits am 16. April 1702 ein erstes Manifest zur Berufung von Ausländern erlassen. Doch kamen am meisten Deutsche nach Russland. Bereits 1720 waren rund 13 Prozent aller zünftigen Handwerker in Petersburg Ausländer, wo die Deutschen die größte Gruppe bildeten. Im Jahre 1881 waren in Petersburg fast 50 000 deutschsprachige Einwohner von insgesamt 900 636 Einwohner (5,5 %). Im Jahre 1910 waren es 41 283 Deutschsprachige Einwohner in Petersburg. Die Mehrheit  - 37,3 % - der Deutschen waren im Handwerk tätig und als Mešcane (Standname) bezeichnet. 15 % gehörten zum Adel. 1833 gehörte über die Hälfte aller Zuckerbetriebe, die Hälfte der Schreibpapier- und Tabakfabriken sowie ein Drittel der Lederwaren- und Hutfabriken deutschen Unternehmern. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurden in St. Petersburg der Zuckerkönig L. König, Elektrotechnikbetrieb von Ernst Werner von Siemens, Besitzer einer Eisengießerei und Industriegelände von Franz Karl San-Galli berühmt. In der ersten Hälfte des 19. Jh. wurden 22 deutsche Periodika in der russischen Hauptstadt gegründet, die sich mit noch 30 Neuerscheinungen bis zum Ersten Weltkrieg vergrößerte. Zu den ältesten Zeitungen Russlands überhaupt zählte die von 1727 bis zu ihrer Einstellung 1914 ohne Unterbrechung erschienene „St. Petersburger Zeitung“, deren Besitzerin die Akademie der Wissenschaften war.  
Die Petersburger Akademie der Wissenschaften wurde 1725 gegründet und bestand überwiegend aus deutschen Gelehrten. Die ersten zwei evangelischen Kirchen und Gemeinden wurden noch zu petrienischen Zeit in St. Petersburg angelegt.

Einige Städte in Russland wurden nur nach der Ansiedlung von Kolonisten als Großstädten. So war die Stadt Saratow an der Wolga bei der Ankunft der Wolgadeutschen erst ein größeres Dorf. In dem Maße, wie die deutsche Bevölkerung an der Wolga zunahm, entwickelte sich Saratow zur Hauptstadt des Wolgagebietes. Auf privater Grundlage wurden in Saratow deutsche Fortbildungs- und Hochschulkurse errichtet, die bis in die Bolschewikenzeit fortbestanden. In Saratow erschienen für das Wolgadeutschtum die "Saratower Deutsche Zeitung" und einige religiöse Blätter.

Eine ähnliche Bedeutung hatte für die Schwarzmeerdeutschen die Hafenstadt Odessa. Zur Zeit der Einwanderung der Deutschen in das Schwarzmeergebiet war Odessa ein kleiner Fischerort mit 4000 Einwohnern.1803 wurde hier eine deutsche Handwerkerkolonie gegründet. Das Deutschtum in Odessa (10 000 bis 12 000 Deutsche) besaß in einem besonderen Stadtteil, dem "Lutherischen Hof", einen geistigen Mittelpunkt. Neben der evangelischen Kirche mit 1200 Sitzplätzen standen auf diesem Hof zwei Pfarrhäuser, höhere Schulen (St.-Pauli-Realschule), ein Waisenhaus, Wohltätigkeitsanstalten und das Altersheim. Das evangelische Krankenhaus mit seinen deutschen Ärzten genoss hohes Ansehen nicht nur bei der deutschen, sondern auch bei der russischen Bevölkerung. Außer der evangelisch-lutherischen Kirche gab es in Odessa auch eine katholische, eine Evangelisch-Reformierte und eine Baptistenkirche. In Odessa gab es über 200 deutsche Geschäfte und Unternehmungen und die größte Pflugfabrik der Ukraine (J. Höhn). Von großem Segen für das gesamte Schwarzmeerdeutschtum waren die in Odessa erscheinende "Odessaer Zeitung" (1863-1914) und der "Neue Hauswirtschaftskalender" oder "Odessaer Kalender" (1863-1915).

Außer den oben erwähnten vier Städten mit einer Bevölkerungszahl zwischen 10000 und 50000 gab es in Russland weitere 50 Städte mit einer deutschen Bevölkerungszahl zwischen 500 und 5000. In vielen dieser Städte standen evangelische und katholische Kirchen, so wie in Charkow, Nikolajew, Dnjepropetrowsk (Jekaterinoslaw), Shitomir, Baku, Tiflis, Nishni-Nowgorod, Omsk, Irkutsk, Tomsk, Orenburg, Samara und in anderen Orten. Auch hier gab es überall deutsche Geschäfte, Unternehmungen und Handwerker.

Nur einige Beispiele zeigen die Vielfalt der Leistungen, die Deutsche in Russland ausübten.  So Alexander Grasmück (?- 1930) kam nach dem Studium in Dorpat, wo er Medizin lernte, nach Saratov. Er wurde  Chirurg - Gynäkologe und gründete eine Klinik für die Bauern. Peter Gottmann (19 Jh.)w ar im Marktrat der Stadt Nishnij Novgorod tätig und wurde 1836 als Bauleiter der Stadt angestellt.  Ivan Block (1858-1906) war 1902 Gouverneur in Ufa, 1903 in Bessarabien, 1905-1906 in Grodno und 1906 in Samara. Sergej Jul’ewitsch Witte (1849-1915) im Kaukasus geboren, studierte in der Uni in Odessa. Wurde seit 1892 Minister der Eisenbahn Russlands, danach bis 1903 Finanzminister. 1903 wurde er Vorsitzender des Ministerrates und bis 1906 Premier Minister des russischen Kaiserreichs. Die Familie Bunge: der Großvater Georg war Apotheker, der Vater Christian – Arzt, beide in Kiev, und der Sohn Nikolaj – war Wissenschaftler, Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg.

Die Deutschen in den Städten hatten ihre Kirchen und Pastoraten, Schulen, Wohltätigkeitsverbände, Vereine und Klubs. Sie hatten in vielen Bereichen wie Verwaltung und Unternehmen, Schulwesen und Gesundheitswesen ihren Anteil in der Modernisierung Russlands geleistet.

 

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