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Museumsverein

Der im Februar 2002 gegründete Museumsverein übernimmt die Trägerfunktion des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte, die bislang vom Christlichen Schulverein Lippe e.V. ausgeübt wurde...

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Die Deutschbalten

Der Begriff steht für die früheren Bewohner deutscher Nationalität in den baltischen Staaten. Die Anzahl der Menschen mit deutscher Muttersprache betrug 1897 in den vier baltischen Gouvernements („Baltischen Provinzen“) des Russischen Reiches Estland, Livland, Kurland und Witebsk insgesamt 172.988 Personen.

Die Deutschbalten sind die einzige deutsche überseeisch-koloniale Population des Mittelalters. Die deutsche Bevölkerung war seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ins Baltikum gelangt. Schon im 12. Jahrhundert, im Zeitalter der Kreuzzüge, waren Ritter nach Livland gezogen, um dort die Heiden zu bekämpfen, wenn sie sie nicht zu missionieren vermochten. Der Schwertbrüderorden, der dieses Land auf Dauer übernommen hatte, um es zu christianisieren und zu kolonisieren, vereinigte sich 1236 mit dem Deutschen Orden, der sich gut zehn Jahre vorher im Preußenland zum gleichen Zweck niedergelassen hatte. Diese Orden bildeten dort auf lange Zeit die soziale und politische Oberschicht. Der Versuch Nowgorod und Pskow, damals den Rest der Kiewer Rus‘, zu erobern war 1242 endgültig gescheitert. Nowgorod mit Pskow überlebten als einziges unabhängiges russisches Territorium und, nach der Anschließung von 1241 an den Hansebund, trat an Stelle der Konfrontation die Kooperation der Hanse und ihrer Mitglieder im russischen Markt ein. Bis 1494 (Schließung des Peterhofes von Ivan III. in Novgorod), rund 250 Jahre lang, existierten die Handelsstraßen Reval-Narwa-Nowgorod, Dorpat-Pleskau/Pskow und Riga-Polozk-Smolensk-Moskau mit Unterstützung von Orden, Bischöfe und Vasallen.

Ihrer sozialen Stellung nach bildeten die Deutschbalten eine privilegierte Ober- und Mittelschicht wie in Livland, Estland und Kurland, so auch, ab dem 18. Jh., nach der Anschließung dieser Gebieten an Russland, im Zarenreich. In sieben Jahrhunderten erwarben sich die Deutschen im Baltikum eine Heimat, an deren kultureller und sozialer Gestaltung sie maßgeblichen Anteil hatten. Ihre führende Position in Kultur, Verwaltung, Wirtschaft und Politik konnten sie unter den wechselnden Landesherren aufrechterhalten. Die Städte, wie Riga, Reval und andere, die der Hanse angehörten, zeigen heute noch ein Gesicht, das von der deutschen Bewohnerschaft geprägt wurde. Die Universität Dorpat (estnisch Tartu, russisch Jur’ev), 1632 gegründet und 1802 als deutsche Universität wiedereröffnet, entwickelte sich zu einem geistigen Zentrum der Deutschbalten und der an deutscher Wissenschaft und Kultur interessierten Russen.

Nach der russischen Gebietserwerbungen im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts kam auf die Deutschbalten auch hier in den Städten und auf dem Lande eine besondere Bedeutung zu. Von der Zahl der Deutschbalten im Jahr 1897 waren 11 984 Angehörige des Erbadels (einschließlich des russischen Beamtenadels), d. h. 6,9% der Gesamtzahl der Deutschbalten! Entscheidend für die Karriere war die Loyalität, die bie den baltischen Deutschen gegenüber dem Russischen Reich und persönlich gegenüber dem jeweiligen Kaiser bestanden hat. An dem Ausbau der eigenen Kanzlei des Kaisers Nikolaj I. (1825-1855) und der Tätigkeit in bestimmten Verwaltungsbereichen waren zahlreich baltische Deutsche in leitenden Funktionen beteiligt. Ihr Anteil war besonders hoch im Kriegs- und Marineministerium und allgemein im militärischen Bereich. Zur Verteidigung Sewastopol‘s im Krimkrieg (1953 - 1956) trug Eduard Todleben wesentlich bei. Hoch war auch der Anteil von Deutschen in dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Russlands und im diplomatischen Dienst, besonders unter dem Außenminister Graf Robert von Nesselrode (1814-1856). Im Jahre 1880 betrug der Anteil der Deutschen im diplomatischen auswärtigen Dienst, überwiegend von Balten, nach Meissner 57%. Viele Deutsche befanden sich im Zentralapparat unter den Ministerialräten (starschij sowetnik). Von 1835 bis 1902 waren von 18 älteren Räten 11, von acht Direktoren der Kanzlei fünf Deutsche. Dazu gehörten unter anderen Friedrich Adelung, Christian Bock, Philipp Baron Brunnow, Robert Baron v. der Osten-Sacken, Paul Schilling v. Cannstatt, Peter Rückmann, Friedrich Fuhrmann, Gustav v. Struve. Besonders zahlreich waren baltische Deutsche unter den Botschaftern Russlands in dieser Zeit. Insbesondere war dies bei den Botschafterposten in Berlin, Wien, London und Paris der Fall. Einen beträchtlichen Einfluss auf die Gestaltung der gesamten Politik Russlands übte neben dem Außenministerium sowie den Kriegs- und Marinenministerien der Reichs- und Staatsrat (gosudarstwennyj sowjet). Von 215 Mitgliedern des Staatrats 1894 bis 1914 waren 48 (22%) Deutsche, davon die Hälfte Balten. Von diesen gehörten zehn dem baltischen Adel an, wie die Üxkülls, Medems, Lievens, Lambsdorffs, Budbergs, Korffs, Staals, Rennenkampfs und Wahls. Im Ministerium des Inneren waren nur in Einzelfällen Deutsche in leitender Funktion tätig. Graf Alexander Benckendorf war Chef der Dritte Abteilung der persönlichen Kanzlei des Kaisers, ein baltischer Deutsche. Im Ministerium der Finanzen waren besonders viele Deutsche in leitender Funktion tätig. In den 44 Gouvernements waren auch sehr oft Deutsche baltischer Abstammung in Leitposten zu finden. Erst die Russifizierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte zu einer Reduzierung der zusätzlichen Existenzbasis im Militär- und Beamtendienst; diese wurde daher seit den sechziger Jahren in steigendem Maße durch ein akademisches Studium ergänzt.

Mit der Jahrhundertwende begann dann die weitgehende Abwanderung des Adels – vor allem nach der Enteignung der Rittergüter durch die Agrarreform der Jahre 1919 (in Estland) und 1920 (in Lettland). Mit der Epoche der Dekolonisation (1917 - 1970er) war die „Uhr“ der Baltendeutschen als Population abgelaufen.

 

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