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Johann Cornies

Infomaterial zu der Ausstellung „Russlands berühmte Deutsche“ 21.05.06

Johann Cornies 20. Juni 1789 - 1813

Johann Cornies, der erfolgreichste Kolonist unter den russischen Mennoniten, ein wahrhaft bedeutender Mann. Aus den geringsten Verhältnissen arbeitete er sich empor und gewann eine selten einflußreiche Stellung, in welcher er Großes schuf und sich um die wirtschaftliche und geistige Entwicklung seiner Gemeinschaft unvergängliche Verdienste erwarb. Geboren in Borrwalde, einem Ort unweit Danzig, wanderte er 16 Jahre alt mit seiner Familie nach Russland aus. Fast mittellos kamen seine Eltern in der Molotschna an und ließen sich im Dorf Orloff nieder. Hier verdiente er als Müllerbursche. Ein Jahr später schaffte er sich ein Pferd und ein Wagen an und trieb einen gewinnreichen Handel mit bäuerlichen Produkten, der ihn weit im Lande heranbrachte, bis nach Sewastopol in der Krim. Dann gründete er seinen Hausstand und erwarb sich ein landwirtschaftliches Anwesen in Orloff. Mit bewunderungswürdigem Geschick und glänzendem Erfolg verlegte er sich auf die Vieh und besonders Schafzucht und legte dadurch den Grund zu seinem großen Reichtum.

Im Jahre 1830 gründete er die Musterwirtschaft „Juschanlee“, die seinen Namen in Russland berühmt machte. 3 500 Hektar ödes Steppenland schuf er zu fruchtbarem Ackerland um, trieb eine mustergültige Schaff- und Pferdezucht, legte große nutzbringende Waldungen an und führte auch, allerdings nicht mit bleibendem Erfolg, Seiden- und Tabakbau ein. Mehr Glück hatte er mit den industriellen Unternehmungen, die er auf diesem Gut ins Leben rief, einer Ziegelei, Kachelbrennerei und einer Dachpfannenfabrik. Außer Juschanlee erwarb er sich noch zwei Güter von 3.500 und 1.600 Hektar.

Die Regierung war bald auf ihn aufmerksam geworden und übertrug ihm in wachsendem Vertrauen eine Reihe wichtiger Posten und Ämter. 1817 wurde er zum Bevollmächtigten der Mennoniten-Gemeinden gewählt um für die aus Preußen nachkommenden Glaubensgenossen passende Ansiedlunsplätze zu suchen. Bald danach erhielt er den Auftrag für die aus Württemberg kommenden deutschen Einwandere in gleicher Weise tätig zu sein. 1824 wurde ihm der Ankauf von Merinoschafen für die Gemeindeschäfereien in Russland übertragen. Das führte ihn wiederholt nach Deutschland. 1830 wird er Vorsitzender des „Vereins zur Erhöhung der Landwirtschaft und Gewerbetreibung“. Als solcher gelang es ihm durch zahlreiche unbeugsamer Energie durchgeführte Verbesserungen die Landwirtschaft auf eine beispiellose Höhe zu bringen, so daß die Mennonitenkolonie in Russland allgemeine Bewunderung erregte. Auch die Beaufsichtigung der Schule wurde ihm übertragen. Er wirkte hier reformierend und legte den Grund zu dem blühenden Schulwesen der russischen Mennoniten. 1838 wurde er zum korrespondierenden Mitglied des Gelehrtenkomitees im Ministerium der Reichsdomänen ernannt, eine Ehrenstellung, die er zur höchsten Zufriedenheit der Regierung durch hervorragende tüchtige Arbeiten ausfüllte.

Große, ehrenvollste Anerkennung wurde ihm zugeteilt. Im Jahre 1825 zeichnete ihn der Kaiser Alexander I. durch einen huldvollen Besuch in seinem Hause aus. 1837 wurde er in Simpferopol dem Kaiser Nikolaus I. vorgestellt, der ihn als einen alten Bekannten dem Namen nach begrüßte und ihm für seine Bemühungen um die Nogaier, der er sich angenommen hatte, dankte. In demselben Jahre empfing er in Juschanlee den Großfürsten Thronfolger Alexander Nikolajewitsch. 4 Jahre später erwiesen ihm die Großfürstinnen Helena Pawlowna und Maria Michailowna und im Jahre 1845 der Großfürst Konstantin Nikolajewitsch die Ehre ihres Besuchs. Ordensauszeichnungen die ihm angtragen wurden, lehnte er dankend ab. Nur eine einfache Denkmünze nahm er an. Sie trug auf der einen Seite seinen Namen und auf der anderen die Aufschrift: „Für Tüchtigkeit“. Ami 13. März 1848 starb Johann Cornies nach kurzem Krankenlager, tief betrauert von dem Mennonitenvolk als sein größter Wohltäter.

Mennonitisches Lexikon. Bd. I./ Christian Hege, Chr. Neff (Hrsg.) - Frankfurt a. M.: Selbstverlag, 1913, S. 375

 

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