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Johannes Gräfenstein ist 1923 in Zürich der Autonomen Republik der Wolgadeutschen geboren, 1941 nach Sibirien deportiert und 1942 in die Trudarmee mobilisiert, wo er in der Kohlengrube arbeitete. Johannes absolvierte ein Fernstudium für Bildende Kunst an der Universität für Kultur in Moskau. Plakatmaler, Designer, Zeichenlehrer, Maler im Künstleratelier - waren seine Tätigkeiten nach dem Krieg. Er bestückte Ausstellungen in Alma-Ata, Moskau und anderen Orten. Seit 1979 lebt er nun in Deutschland. Drei Jahre lang war er im Ministerium für Landes- und Stadtentwicklung in Düsseldorf beschäftigt. In seinen Bildern ist die unendliche Trauer über das Schicksal seines Volkes gut erkennbar. | „Heimatlosen“ Öl auf Lein. 1992 In diesem Bild ist sehr viel Schmerz, Trauer - eine Weltanschauung eines Betroffenen Verbannten Deutschen in der UdSSR - zu sehen. In der Mitte ist er mit seine Familie, gebunden und gefesselt mit Stacheldraht. Links oben ist die ewig ausgestreckte Hand nach vorne von Lenins Denkmal zu sehen, im Hintergrund - die sowjetische Industrialisierung, die so viele Opfer gekostet hat, sie ist auf Grund einer permanent erstellte Zwangsarbeit von Millionen ermöglicht worden. Rechts ist eine Stalinsfigur zu sehen und rund um ihn und unten sind die schreckliche Bilder der Säuberungen: Haufen von Menschenschädel, brennende Städte und die Dunkelheit des KZ-Lagers, sowie die Häftling und Opfer der Säuberungen. Wohin soll sich der Deutsche bewegen, wenn er gefesselt ist, wenn er diese Umgebung nur noch sich ansehen darf, aber nichts dagegen tun kann? | | „Weihnachten 1942 in Sibirien“ Johannes Gräfenstein. 2001. Öl auf Leinwand In fast jeder deutschen Familie 1941-45 das gleiche Schicksal: die Eltern sind in die Arbeitskolonne einberufen, im Arbeitslager, vielleicht schon verstorben. Die Kinder wurden Weise. Nur die alte Oma ist noch um sie besorgt. Die Kinder ab sieben Jahre mußten schon die ganze „Kolchoswirtschaft“ auf ihren Schultern zusammen mit den gebliebenen alten Männer und einigen Frauen nehmen. Also keine richtige Kindheit, sondern eine elende Existenz. An das Deutschtum sind kaum Erinnerungen geblieben: ein fremder Ort, viele unbekannte Leute, kein richtiges Zuhause, keine bekannte Lehrer. Die einzige Trägerin des Deutschtums ist noch die Oma geblieben, die ihre Enkelkinder an Weihnachten erinnert und heimlich einen Zweig vom Tannenbaum geschmückt auf dem Tisch gestellt hatte und für ihren Enkel ein wunderbares Geschenk vorbereitet hat - jedem eine gekochte Pellkartoffel! | | „Bestattung der Namenlosen“ Johannes Gräfenstein, 1992, Kohlezeichnung auf Papier Schon von vielen Zeitzeugen wie mündlich so auch schriftlich wird das auf dem Bild gemahlene bestätigt - „so war es!“. Die verhungerte tote Menschen aus dem Arbeitslager wurden am Frühling aus der Zone auf Schlitten in die Taiga gefahren. Die Kleidung war zu dieser Zeit wichtiger als der Mensch, deshalb sind die Leichen alle nackt. Kein Gebet, keine Tränen mehr, kein richtiger Abschied. Nicht mal ein Name haben die Toten behalten. | | „Frühstück in der Baracke 1942“Johannes Gräfenstein, 2001.Öl auf Leinwand Die Männerbaracke 1943 hinter Stacheldraht in der Zone. Sie leben bis zu 40 Leute in eine Baracke - aus Holz aufgebautes Zuchthaus oder in der Erdhütte, irgendwo im Norden Russlands oder in der Taiga Sibiriens. Viele, sehr viele sind schon von Unterernährung und Erschöpfung gestorben. Der Tod ist Alltag geworden. Morgens bekamen die nachts Verstorbenen ein Etikett am Fuß angemacht, wo drauf ihr Name geschrieben war, und dann wurden die aus der Baracke getragen und auf dem Hof des Lagers aufgestapelt. Da werden die bis dem Frühling liegen müssen. Auf dem Vordergrund des Bildes sind zwei Männer zu sehen, die bevor sie auf die Arbeit marschieren werden erst die Leichen aus der Baracke bringen müssten. Sie sind gerade beim „Frühstücken“ - im Menü immer das selbe: eine Wassersuppe und die Tagesnorm von Brot. Der Mann von links hält noch ein Gebet vor der Speise, bei dem anderen ist die Gleichgültigkeit auf dem Gesicht geschrieben. Sind sie vielleicht morgen auch tot oder werden sie überleben?... | | „Der Klatschmohn“ Ein schönes Stillleben mit einem Blumenstrauß von Klatschmohn am offenen Fenster. Es liegt dem Maler am Herzen auch mal viel frohe Farbe zu benutzen, um das Schöne im Leben wesentlicher einzuschätzen. | | „Vaters Grab“. Johannes Gräfenstein, 1992. Kohlezeichnung auf Papier Nicht mal im Alptraum kann man sich das vorstellen: die tote Arbeiter aus dem Zwangslager (GULAG) wurden nicht mal der Erde gegeben, also nicht mal begraben, sondern irgendwo in der Taiga auf einem Haufen geschmissen und so gelassen. Bei Johannes Gräfenstein ist der Vater in der Trudarmee umgekommen und so kann sein Sohn auch sein Grab nicht finden. Es gab nicht mal ein Massengrab, wo man ihm und den anderen gleichen die letzte Ehre abgeben kann. | | „Reinhold Keil“. Johannes Gräfenstein. Öl auf Leinwand Ein Porträt von Reinhold Keil, gemahlen schon in Deutschland. Reinhold Keil (1908-1995) war ein Kritiker und Folklorist, Lyriker und Erzähler. Geboren an der Wolga in Kana, gestorben in Deutschland. Auf dem Bild ist das Porträt des Schriftstellers mit dem Wolgagebiet im Hintergrund zu sehen. Es sollte für die Wolgadeutsche noch immer gelten, obwohl sie schon lange nach Kasachstan deportiert waren. Von anderen Porträts sind Nora Pfeifer, Robert Weber und andere Namhafte Deutsche aus Russland bekannt. | | „Kolonie Zürich an der Wolga“. Johannes Gräfenstein. Öl auf Leinwand Gräfenstein war mit seine Familie deportiert nach Kasachstan. Er hat aber sein Heimatdorf noch bis zuletzt in Erinnerung. Auf dem Bild ist die Landschaftsidyll mit der schönen evangelischen Kirche im Hintergrund. So hat er sein Heimatdorf noch mal erleben können, als er es 2002 besuchte. Im Privatbesitz seiner Frau. |
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