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Bericht zur Tagung "Diktatur und Exil"

Einhundert Jahre nach der Oktoberrevolution, ein Dreivierteljahrhundert nach der kollektiven Deportation der Wolgadeutschen und ein Vierteljahrhundert nach dem Zerfall der Sowjetunionv ist es an der Zeit, Diktatur- und Exilerfahrungen russlanddeutscher (Spät-)AussiedlerInnen zu untersuchen.

Die Erfahrungen von Repression und Heimatverlust im Kommunismus prägen die Erinnerungskultur dieser ZuwandererInnen noch heute. Auch die nachfolgenden Generationen ohne eigene Migrationserfahrung sind an der narrativen Verarbeitung von gewaltsamen Erlebnissen beteiligt. Diese historischen Diktaturerfahrungen wurden bei der Tagung vom 30.11. bis 1.12.2017 mit aktuellen Diktaturerfahrungen Geflüchteter aus dem Nahen Osten verglichen, um Perspektiven für die Flüchtlingsforschung zu entwickeln, aber auch eine Kontextualisierung russlanddeutscher Erfahrungen vorzunehmen. Das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte war dabei ein symbolträchtiger Veranstaltungsort, firmiert es doch unter der Inschrift der Friedland-Gedächtnisstätte: „Völker entsaget dem Hass. Versöhnt euch, dienet dem Frieden. Baut Brücken zueinander.“

In seiner Keynote stellte TOBIAS WEGER (Oldenburg) anhand zahlreicher Beispiele von exilierten Kulturschaffenden und Freiheitskämpfern aus Ostmitteleuropa die Exilforschung als Teil der Global- und Migrationsgeschichte dar. Vor dem Hintergrund heutiger Debatten über den Nahen Osten und „die Flüchtlingskrise“ wies er unter anderem auf Täter-Opfer-Dichotomien hin, welche die Grauzonen individuellen Handelns ausblendeten. So führten eigene Exilerfahrungen nicht automatisch zu Empathie und zur Auseinandersetzung mit eingefahrenen Denkmustern. Für die Tagung regte Tobias Weger an, über das Verhältnis von Diktaturerfahrung, Exil und Erinnerungskultur sowie das Verhältnis von kollektiven Narrativen und individuellen Zugehörigkeiten nachzudenken und Flucht und Vertreibung von Deutschen im östlichen Europa aus dem Blickwinkel der Exilforschung zu betrachten.
Das erste Panel versammelte unter dem Titel „Migration, Aufnahme und Erinnerung“ empirische Untersuchungen zu Erinnerungen über das Asyl- bzw. Aufnahmeverfahren von Geflüchteten und Russlanddeutschen sowie zum Verhältnis von Kollektiv- und Familiengeschichte.

In seinem Vortrag zum politischen Asyl in Deutschland ging J. OLAF KLEIST (Osnabrück) der Frage nach, wie sich politische Kategorien auf persönliche Erinnerungen syrischer Geflüchteter auswirken. In Interviews zeigte sich, dass die Erinnerungen an Flucht und Aufnahme in Deutschland den Kategorien des politischen Asylprozesses angeglichen würden. Je nachdem, wie Geflüchtete nach Deutschland kämen, variiere der Grad der eigenen Handlungsmacht (agency) in ihren persönlichen Erinnerungen. So schöpften irregulär eingewanderte Asylsuchende in ihren Erinnerungen aus einer größeren Handlungsmacht als Geflüchtete, die aus humanitären Gründen vom UNHCR ausgewählt wurden. Agency sei wichtig, damit sich Geflüchtete eine Identität als handlungsfähige Mitglieder einer politischen Gemeinschaft schüfen und sich als solche in die neue Gesellschaft integrierten.

GESINE WALLEM (Paris/Berlin) betrachtete Friedland, das nach wie vor Durchgangslager für nach Deutschland Migrierende, aber auch alljährlicher Erinnerungsort für russlanddeutsche (Spät-)AussiedlerInnen sei. Ein Vergleich von Diskurs und Aufnahmepraxis zeige, dass diese nicht kongruent seien. In Gesprächen mit MitarbeiterInnen von Friedland dominiere zwar das Narrativ der Solidarität mit den ethnischen Deutschen aus Ostmittel- und Osteuropa, während die Aufnahme von Asylsuchenden als Ausnahme angesehen werde. Die Aufnahmepraxis unterscheide sich allerdings nicht. Die Überprüfung der Kriterienerfüllung sowie Untersuchungen vor Ort müssten Russlanddeutsche ebenso durchlaufen wie andere Zuwanderergruppen.

Anhand zweier palästinensischer Familien im Vergleich zu russlanddeutschen (Spät-)AussiedlerInnen illustrierte ANNA KAIM (Osnabrück), welche Rolle die Kollektiv- und Familiengeschichte für die individuelle Erinnerung spiele. Zentraler Referenzpunkt beider Kollektivgeschichten sei ein Opfernarrativ. Je nach Fallbeispiel zeige sich ein unterschiedlicher Umgang mit der Kollektiv- und der Familiengeschichte. Während ein/e AkteurIn auf die Kollektivgeschichte zugreife, obwohl es in der Familiengeschichte keine Anhaltspunkte für entsprechende Erfahrungen gebe, grenze sich ein/e andere/r AkteurIn bewusst von der Kollektivgeschichte ab. Der Umgang mit der Kollektiv- und der Familiengeschichte könne zwischen einzelnen Familienmitgliedern divergieren. Dass auch und gerade Erinnerungen der Enkelgeneration der Kollektivgeschichte entsprächen, könne mit der Zuerkennung von Zugehörigkeit in Verbindung stehen.

In der anschließenden Paneldiskussion wurde v.a. auf die Themenkomplexe „Erinnerung“ und „Zugehörigkeit“ fokussiert. Individuelle Erinnerungen würden durch politische und gesellschaftliche Diskurse beeinflusst und dadurch zu Kollektivnarrativen homogenisiert. Somit forderten vom Kollektivnarrativ abweichende Lebensgeschichten besonders zu einem Vergleich heraus. Inwiefern die deutsche Gesetzgebung zivile oder ethnische Zugehörigkeit zuspreche und dies für die Kriegsfolgenbereinigung relevant sei, konnte nicht abschließend geklärt werden. Dass Vorstellungen einer in der Verfassung nicht näher definierten deutschen Ethnie aber im Aufnahmeverfahren russlanddeutscher (Spät-)AussiedlerInnen eine Rolle spielen, war Konsens.

 

In Panel II „Biografie und Verfolgung“ wurden Diktaturerfahrungen und deren Auswirkungen auf Gesundheit, Erinnerung und Selbstbild, aber auch Implikationen für die Biographieforschung in den Blick genommen.

Aus psychotherapeutischer Perspektive schilderte ALEXANDER FROHN (Freiburg) Deportation, Trudarmee und Kommandantur als traumatisch und schandhaft wahrgenommene Erlebnisse. Die Beschämung führe dazu, dass russlanddeutsche Patienten in Therapien über ihre Erlebnisse schweigen würden, zumal dies eine Überlebensstrategie in der Sowjetunion gewesen sei. Die Abwehr der traumatischen Gefühle führe zu Depression und Somatisierung der Leiden. Zudem verhindere die erlebte Dehumanisierung Empathie für andere. So werde die syrischen Geflüchteten entgegnete Willkommenskultur als unfair wahrgenommen, zumal Russlanddeutsche selbst nicht so herzlich aufgenommen worden seien. Neben der Identitätsverunsicherung der Erlebnisgeneration werde auch die Individuation der zweiten Generation von Russlanddeutschen erschwert, da sie Aufgaben für ihre Eltern übernähme.

MALTE GRIESSE (Konstanz) präsentierte Erinnerungen ehemaliger deutscher Häftlinge an den Gulag. Erst mit dem Mauerfall und der Perestroika sei das Schweigen der Gulag-Häftlinge gebrochen worden, was vornehmlich mit ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben zusammengefallen sei. Charakteristisch an den Erzählungen seien die Strukturierung und Sinngebung der Erinnerungen sowie der Fokus auf dem blanken Überleben, bei dem es keinerlei zwischenmenschliche Beziehungen gegeben habe. Der Vergleich von sowjetischen Speziallagern in Ostdeutschland und dem Gulag zeige allerdings, dass es in Sibirien größere Handlungsspielräume gegeben habe. Trotz des Zwangs habe Arbeit dem Leben Sinn gegeben. Auch seien im Gulag zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Häftlingen und Wärtern zustande gekommen, weswegen die Häftlinge in der heutigen Erinnerung keinen Groll gegen die Wärter, sondern gegen das abstrakte Sowjetsystem hegten.

In seinem Plädoyer für eine Verknüpfung von postkolonialer und postmoderner Methodologie kritisierte DOMINIK SCHÜTTE (Bremen) die Reglementierung von Biographiekonstruktionen Geflüchteter durch vorformulierte Kategorien staatlicher Asylinstitutionen. Bei der Analyse von Migrations- und Fluchtbiographien müsse berücksichtigt werden, dass Subjekterzählungen und Diskurse einander bedingten. Geflüchtete seien „Subalterne“ (Gayatri C. Spivak), denen politische Handlungsfähigkeit von dominanten Machtsystemen abgesprochen werde. So würden Geflüchtete im Globalen Norden durch die Rhetorik des Helfens zum Schweigen gebracht. Dies gelte es ebenso zu reflektieren, wie den Umstand, dass Subjekte Diskurse mit ihren Selbstpositionierungen vernähten („Artikulation“), wodurch ihnen Handlungsmacht zukäme. Insofern könne Biographieforschung als ein Akt der Übersetzung verschiedener Perspektiven und Diskurse verstanden werden.

Im Plenum wurde u.a. diskutiert, inwiefern Spielfilm, Museum und Schule dazu beitragen könnten, durch Diktaturerfahrungen bedingtes Schweigen zu brechen. Die Aussiedlung nach Deutschland käme einem Wechsel von einer Kultur des Schweigens in eine Kultur des Sprechens gleich. Als Hemmnis in der Psychotherapie kämen das vorherrschende Männerbild vom „starken Mann“ und patriarchalische Vorstellungen hinzu. Hier seien Aufklärung sowohl der Patienten als auch der TherapeutInnen notwendig.
Ferner wurde infrage gestellt, inwiefern in Bezug auf postsowjetische MigrantInnen von Subalternität die Rede sein könne. Dabei träten die Grenzen der Rede von der „Ersten/ Zweiten/ Dritten Welt“ deutlich zutage. Unabhängig davon liege die eigentliche Herausforderung in Wissenschaft und Gesellschaft darin, Subjekte nicht durch Diskurse zu unterwerfen sowie ganz konkret und aktuell Geflüchtete nicht per se als traumatisiert zu bezeichnen und sie damit zum Schweigen über ihre Erfahrungen zu verurteilen.
Auch wurde nach der Rolle von Glauben im Kontext von Migration und Diktaturerfahrung gefragt. Generell könnten Glaube und ebenfalls akademische Bildung als protektive Faktoren gegen Stress angesehen werden. Somit könnten sie eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber Traumatisierung fördern.

 

Im dritten Panel wurden russlanddeutsche „Narrative von Diktaturerfahrungen“ in literarischen Werken sowie in der Erinnerungskultur identifiziert und literaturtheoretisch, glaubenspraktisch und historisch kontextualisiert.

Anhand der Prosa Eleonora Hummels illustrierte FRIEDERIKE MEVISSEN (Wuppertal), wie relevant Diktaturerfahrungen der Erlebnisgeneration für die Identitätskonstruktion der Nachfolgegenerationen seien. Durch den Akt des Erzählens von Lebensgeschichte werde den Erlebnissen Bedeutung zugeschrieben. Erzählung fungiere somit als Zugang zu Identität (Paul Ricœur). Jeder Lebensgeschichte liege eine intersubjektive Struktur zugrunde, daher seien individuelle und kollektive Erfahrungen miteinander verwoben (Hannah Arendt). Die Theorie des postmemory bezeichne eine Struktur, welche die transgenerationale Weitergabe von Erfahrungen und die damit einhergehende vermittelte Zugehörigkeit veranschauliche. So erfolge in der Literatur Hummels die Erzählung in der gemeinsamen Vergangenheitsauslegung.

LILLI GEBHARD (Osnabrück) untersuchte meist im Selbstverlag erscheinende und in der Regel von der deutschen Öffentlichkeit unbeachtete Lebensbeschreibungen und Gedichte von russlanddeutschen Mennoniten hinsichtlich ihrer Identitätskonstruktionen. Himmel, Heimat, Sehnsucht, Familie und Gemeinde zählten zu den häufigsten Motiven. Dabei werde Deutschland wegen der empfundenen Fremdheit als vorübergehende Heimat angesehen. Zwar schüfen Familie und Gemeinde Zugehörigkeit, der Weg in den Himmel werde aber als einsam und individuell beschrieben. Gegenüber Personen anderer Nationalität und Konfession grenzten Mennoniten sich ab. Die Kollektivsymbolik der Mennoniten sei identisch mit der Symbolik im Pietismus, welche sich in Diktaturerfahrungen einschreibe.

VIKTOR KRIEGER (Heidelberg) zeichnete die staatliche Geschichtspolitik der UdSSR gegenüber der deutschen Minderheit in den Nachkriegsjahren nach. Da deutsche Kultur in der Sowjetunion ausgemerzt werden sollte, fehlte es an Institutionen von Russlanddeutschen, welche kulturelles Erbe hätten tradieren können. So gebe es keine gesicherte Geschichte über Russlanddeutsche, die Narrative beruhten auf erzählten Erlebnissen, nicht auf Forschung. Im Poststalinismus seien Russlanddeutsche zwar rehabilitiert worden, hätten aber weiterhin indirekte Benachteiligungen erlitten. Auch sei die Autonomiebewegung mit ihrer Forderung nach der Wiederherstellung der Wolgarepublik gescheitert, infolge dessen der Großteil der Russlanddeutschen nach Deutschland aussiedelte.
In der Diskussion zum dritten Panel ging es vornehmlich um Mennoniten in der Welt. Angesichts der globalen Zerstreuung von Russlanddeutschen stelle sich die Frage, was an deren Geschichte noch russlanddeutsch sei. Bei den Mennoniten handele es sich um eine konfessionelle Untergruppe der Russlanddeutschen, deren Identität sei allerdings transnational. Das Plautdietsche (Plattdeutsche) als transnationale Sprache biete zwar ein gewisses Zugehörigkeitspotenzial, sei aber anderen Kategorien untergeordnet. Angesichts der Orientierung der Mennoniten auf das Jenseits könne vermutet werden, Diktaturerfahrung sei eine unter vielen negativen Erfahrungen im weltlichen Leben. Tatsächlich werde in Lebensbeschreibungen Hilfe im Kontext von Diktaturerfahrung mit Erstaunen festgestellt.

Mit lose verbundenen Gedanken leiteten die drei Panelisten die Abschlussdiskussion ein. DMYTRO MYESHKOV (Hamburg) erklärte die Vergleichsgeschichte zur höchsten Kunst der Geschichtswissenschaft. Diese sei bezüglich der Russlanddeutschen bereits in der Vergangenheit ausgeübt worden, zuletzt 2015 bei der Tagung „Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext. Neue Perspektiven der Forschung“ in Berlin. Überdies lobte er die Interdisziplinarität der Tagung, kritisierte die Vernachlässigung der Transnationalität der Erinnerungskulturen und wies auf den Unterschied zwischen den Opfer-Begriffen sacrifice und victim hin, was unterschiedliche Selbstbilder, aber auch eine Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Opfergruppen impliziere.

JANNIS PANAGIOTIDIS (Osnabrück) wies darauf hin, dass (Spät-)AussiedlerInnen nicht in den Fokus der Flüchtlingsforschung rückten, da ihr Forschungsinteresse nicht auf privilegierten MigrantInnen, sondern subalternen Gruppen liege. Beispielsweise in Diskursen über MustermigrantInnen zeige sich allerdings, dass Subalternität in Abstufungen konstruiert werde. Ebenso wie die Rechtskategorie der/des (Spät-)AussiedlerIn sei die des Flüchtlings in eine gesellschaftliche Kategorie überführt worden, was es zu hinterfragen gelte.

Zu vergleichenden Forschungen über russlanddeutsche Erfahrungen mit denen anderer Deutscher aus Osteuropa rief TOBIAS WEGER (Oldenburg) auf. Deutsche aus Osteuropa könnten dabei als Ausgangsperspektive für Diktaturerfahrungen herangezogen werden. Vor dem Hintergrund der diskursiven Unterwerfung unter gesetzliche Regelungen seien Teilidentitäten von (Spät-)AussiedlerInnen verschüttet. Es müsse also reflektiert werden, dass und wer Erinnerung konstruiere und inwiefern sie in der Retrospektive verklärt werde.

Aus dem Plenum kamen Anregungen zu Vergleichen von Russlanddeutschen mit Türkeistämmigen als größter nicht deutscher Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund sowie mit Ostdeutschen. Zu letzterer bestehe aufgrund der sowjetischen Besatzung und des sozialistischen Einparteiensystems eine Parallele in der Diktaturerfahrung. Neben dem hohen Zuspruch von Ostdeutschen und Russlanddeutschen zur Alternative für Deutschland (AfD) würden noch weitere Parallelen einen derartigen wissenschaftlichen Vergleich nahelegen. Voraussetzung weiterer vergleichender Betrachtungen mit Russlanddeutschen sei allerdings eine Öffnung russlanddeutscher Narrative, Interpretamente und Personen sowie auf der anderen Seite mehr Anerkennung der russlanddeutschen Migration und Empathie vonseiten der bundesdeutschen Gesellschaft. Insofern sollten auch Reaktionen der Aufnahmegesellschaft auf MigrantInnen in Forschungen fokussiert werden. Dass Kinder und Kindeskinder von (Spät-)AussiedlerInnen nach wie vor mit Fragen der Zugehörigkeit beschäftigt seien (in deren Kontext auch die im Plenum aufgeworfene Frage nach dem Interesse der Bundesrepublik Deutschland an der Aussiedleraufnahme einzuordnen ist), verdeutliche die Parallele zur Fluchtmigration und die Notwendigkeit der Zusammenschau beider Migrationsphänomene.

Die vergleichende Perspektive auf (Spät-)AussiedlerInnen und Geflüchtete mag auf den ersten Blick möglicherweise nicht naheliegend erscheinen, sie erwies sich während der Tagung aber als sinnvoll und kohärent. Vielfältige Bezüge zwischen den Vorträgen wurden gleichsam über die Gruppen- und Panelgrenzen hinaus deutlich, z.B. hinsichtlich des Einflusses politischer Kategorien auf Erinnerungen oder der intrafamilialen, transgenerationalen Erinnerungs- und Identitätskonstruktion. Zudem wirkte die Vielfalt an disziplinären Perspektiven diskussionsanregend. Einigendes Band zwischen den Vorträgen war meist ein empirischer Zugang, welcher die Erinnerungsrealitäten und Deutungsmuster der beforschten AkteurInnen nachvollziehbar machte. Daneben bereicherten aber auch Vorträge mit theoretischer und methodologischer Ausrichtung die Tagung.

Im dritten Panel wäre ein Beitrag zu Narrativen von Diktaturerfahrungen Geflüchteter wünschenswert gewesen, um die vergleichende Betrachtung konsequent fortzuführen. Angesichts der Aktualität von Fluchtmigration mag eingeworfen werden, dass die Zeit noch nicht reif sei, um von Narrativen syrischer Geflüchteter zu sprechen. Da es aber schon jetzt literarische Erzeugnisse von Geflüchteten sowie über Flucht und Geflüchtete gibt, greift das Argument zu kurz.

In jedem Fall ist bei der Tagung deutlich geworden, dass Vergleiche von Aussiedlung mit anderen Migrationsphänomenen sinnvoll sind, um sie zu kontextualisieren, d.h. um sie einerseits als Teil deutscher Migrationsgeschichte und andererseits als eines von vielen Migrationsphänomenen zu betrachten.

 

Titel der Tagung: Diktatur und Exil – Diktaturerfahrungen der Russlanddeutschen in vergleichender Perspektive, 30.11.2017 – 1.12.2017
Ort: Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold
Veranstalter: Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold (MRK); Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS); Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE)
Datum: 30.11.2017 – 01.12.2017
 
Tagungsbericht von: Anna Flack, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Universität Osnabrück

 

 

 



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