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Über Schweigen und Elternschaft im Totalitarismus


Bestsellerautorin Gusel Jachina präsentiert ihren Roman „Wolgakinder“ im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte  

„Die Stummen“ heißt die wörtliche Übersetzung der Bezeichnung "nemcy" für die Deutschen in vielen slawischen Sprachen. Auch Jakob Bach, der Schulmeister des wolgadeutschen Weilers Gnadental und Hauptheld des Romans Wolgakinder von Gusel Jachina schweigt. Entgegen der etymologischen Bedeutung, die fremden Deutschen seien des Russischen nicht mächtig, verstummt Bach benommen ob der Grausamkeit seiner Lebensepoche für mehr als fünfhundert Seiten des Romans. Umso wortgewaltiger und poetischer sind Schilderungen der Lebensumstände der Wolgadeutschen in der Zwischenkriegszeit in diesem Buch.

Die russische Bestsellerautorin, die den deutschen Lesern bereits durch ihren Debütroman Suleika öffnet die Augen bekannt wurde, vermochte das Detmolder Publikum im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte für ihren Roman begeistern. Ihr zur Seite stand als Moderator und Vorleser der preisgekrönte Radiojournalist Mirko Schwanitz. Im bestechenden Deutsch erläuterte die studierte Germanistin den Zuhörern die Vorgeschichte der deutschen Siedler in Russland und die Hintergründe ihres Romans. „Jakob Bach ist Prototyp einer schweigenden Generation“ – so die Autorin bei ihrer Romanpräsentation. Millionenfach erlitten Menschen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ein von Entbehrungen, Repressionen und Krieg bestimmtes Schicksal. Gegenüber ihren Nachfolgegenerationen schwiegen diese Zeitzeugen ohne ihre Traumata zu verarbeiten. Bevor Jakob Bach sich seinen Kindern mitteilen kann, wird die kleine Familie durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und anschließende Deportation der Wolgadeutschen auseinandergerissen. Neben dem Schweigen erscheint als zweites großes Motiv des Romans die Elternschaft. Die gerufenen deutschen Siedler wurden zweihundert Jahre zuvor bei ihrer Ankunft durch die russische Kaiserin Katharina als „Meine Kinder“ begrüßt. „Meine Kinder“ lautet auch der Originaltitel des Romans auf Russisch. Im Gegensatz dazu machte Stalin, der selbsternannte „Vater der Völker“ diese Minderheit zu missliebigen Waisen.



Auf Deutsch erschien der Roman 2019 im Aufbau-Verlag und wurde bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse dem deutschen Publikum präsentiert. Bereits 2018 wurde Wolgakinder zum meist verkauften belletristischen Buch einer russischen Autorin in Russland. Wie auch bei ihrem ersten Roman rechnet Gusel Jachina mit einer Verfilmung des packenden Stoffes. Durch den Verkauf der Filmrechte sind dafür die ersten Schritte getan.

Die Romanpräsentation war ein Angebot des Kulturreferates für Russlanddeutsche und wurde von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. Weitere Lesungen wurden in Düsseldorf in Kooperation mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und dem NRW-Landesverband der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, in Köln zusammen mit dem Lew Kopelew Forum und in Freiburg i.Br. mit dem Zwetajewa-Zentrum an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg angeboten.

 

 

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am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte
32756 Detmold | Georgstraße 24
Mobil 0162 - 3462913 | Telefon 05231 – 921694
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www.russlanddeutsche.de



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