Interview
Juliane Lipp I Jolki Palki!
Magazin über russlanddeutsche Identität, Kultur und Geschichte
Juliane Lipp I Jolki Palki!
Magazin über russlanddeutsche Identität, Kultur und Geschichte
Juliane Lipp, 31, ist Designerin (Grafik-, Kommunikations- und Editorial Design) und wohnt in Karlsruhe.
Einsichten in das Magazin Jolki Palki! und aktuelle Beiträge rund um russlanddeutsche Kultur und Identität erhaltet ihr auf Instagram. Unser Tipp: auf jeden Fall folgen!
Am 15. November 2025 fand zum zweiten Mal die Open Stage von o[s]tklick in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat für Russlanddeutsche statt, dieses Mal in Stuttgart. Elli Unruh las eindrücklich aus ihrem Roman „Fische im Trüben“ über das Leben einer deutschstämmigen Familie in Kasachstan der 1970er Jahre. Die Songwriterin Sarah Penalba sang mehrere Popsongs, Katharina Eggert trug eigene Lyrik vor und Juliane Lipp stellte ihr Magazin Jolki Palki! über russlanddeutsche Kultur und Geschichte vor. Im Anschluss wurde die Möglichkeit des Get-Together auch noch rege genutzt, es kam zu lebhaften Gesprächen und neuen Kontakten – vielen Dank an alle, die dabei waren.
Was hat dich dazu motiviert, Jolki Palki! ins Leben zu rufen?
Ich habe selber eine russlanddeutsche Herkunft und hatte immer viele Fragen dazu, zum Beispiel weil ich komische Sachen beim Aufwachsen erlebt habe. Etwa die Beschimpfung oder Bezeichnung als Russin, die ich nicht einordnen konnte, weil ich ja aus meiner Sicht Deutsche war. Unter anderem deshalb wollte ich mich gerne intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Und da ich Gestalterin bin, war es für mich auch klar, das in einer gestalterischen Form zu tun. Da das Thema so vielschichtig ist, ist ein Magazin ein passendes Medium, mit viel Gestaltungsfreiheit, in dem sehr viele Leute zu Wort kommen können, und auch etwas, das sich wiederholen kann. Im Rahmen meines Masters hatte ich dann die Möglichkeit, das umzusetzen. Jetzt, einige Jahre nach Abschluss meines Masters, komme ich endlich dazu, das Magazin so richtig zu veröffentlichen.
Wovon kann man in Jolki Palki! lesen – und was kann man auch sehen?
Das Magazin ist sehr vielfältig. Es gibt eher wissenschaftliche Artikel, zum Beispiel von Kornelius Ens, dem Leiter des Museums für Russlanddeutsche Kulturgeschichte, oder von Ira Peter über die Verarbeitung transgenerationaler Traumata. Dann gibt es einen geschichtlichen Abriss, kurze und lange biografische Texte und viele visuelle Beiträge, etwa Illustrationen und Bildstrecken über Sibirien oder Espelkamp. Generell wirft das Magazin Blicke auf die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft: Was wünschen wir uns für russlanddeutsche Kultur, wie kann es weitergehen?
Was waren die wichtigsten oder interessantesten Erkenntnisse, die du aus der Arbeit an dem Magazin gewonnen hast?
Eine wichtige Erkenntnis war auf jeden Fall, wie relevant das Thema noch ist, obwohl man ja sagen könnte, die ganze Geschichte mit den Russlanddeutschen ist schon lange her und oft durchgekaut. Viele setzen sich immer noch gerne damit auseinander – man ist nicht allein mit diesem Interesse. Und es ist auch wichtig, das noch zu tun! Eine weitere Erkenntnis war, dass es immer noch sehr kompliziert ist, dass es viele verschiedene Geschichten gibt und dass diese Identitätsfrage im Hinblick auf die Themen Russland und Ukraine vielleicht nicht gerade einfacher geworden ist: Wie steht man dem Ganzen gegenüber, was macht das mit einem selbst, wie begegnen einem andere? Es ist kompliziert, aber auch wichtig, sich damit zu beschäftigen.