Skip to main content

Auch wir treten aus unserer Rolle heraus

Webdokumentation über das Deutsche Schauspieltheater in Temirtau und die Deutschen in der Sowjetunion zwischen Bleiben und Gehen.

Mit dem Satz „Wir treten aus unserer Rolle heraus“ begann die Resolution der ostdeutschen Theater, in der 1989 politische Reformen eingefordert wurden. Im Herbst 1990 gastierte das Deutsche Schauspieltheater Temirtau mit den Stücken AUF DEN WOGEN DER JAHRHUNDERTE und MENSCHEN UND SCHICKSALE in der noch-DDR. Mit diesen Dramen wurde zum ersten Mal öffentlich die Auswirkungen der stalinistischen Terrorherrschaft auf die deutsche Minderheit thematisiert, was einem unerhörten Tabubruch im damaligen System nahekam. Dabei sollte das Minderheitentheater ursprünglich nach Vorstellungen der Kulturbehörden die Sowjetdeutschen auf den ideologische Kurs der Partei bringen. Zusammen mit ihren ostdeutschen KollegInnen erlebten die russlanddeutschen SchauspielerInnen hoffnungsvoll und euphorisiert hautnah die Wiedervereinigung. Aber nur fünf Jahre später verließen die letzten TheatermacherInnen ihrem Publikum folgend ihre Heimat, um sich als Aussiedler im vereinigten Deutschland dauerhaft niedergelassen.

In der Webdokumentation werden Stationen dieser einzigartigen Institution entlang der politischen Entwicklungen in der Sowjetunion und speziell um die Russlanddeutschen in der Zeit zwischen 1975 und 1990 nachgezeichnet. Die Themen und Anliegen der 1980 in der Kasachischen Steppe gegründeten einzigen professionellen deutschsprachigen Bühne der späten Sowjetunion bewegten sich auf und neben der Bühne zwischen Anpassung an die Realien der reaktionären Zeit der späten 1970er und Anfang 1980er Jahre, aktiver Mitwirkung an gesellschaftlichen Reformprozessen der kurzen Demokratisierungsperiode 1985-1990, bis zur Resignation an den postsowjetischen Krisen, nicht eingehaltenen Versprechen der Behörden und dem Massenexodus der Russlanddeutschen nach Deutschland.

  • Galerie 1 1

  • Galerie 1 2

Trotz demokratischer Umbrüche, zu denen das Wirken des Theaters mitbeitrug, trotz oder auch wegen einiger Zugeständnisse an die Minderheit, entschieden sich in der Zeit zwischen 1988 und 2000 etwa 1,5 Millionen Menschen für die Aussiedlung nach Deutschland. Eine bis dahin etwa 200-jährige Siedlungsgeschichte einst gerufener Kolonisten und Fachleute ging nach vielen Höhen und dramatischen Tiefen jäh zu Ende. In der Auseinandersetzung mit dieser einzigartigen Institution und deren Akteuren schildert die Webdokumentation die Umstände und Motive dieser Migrationsbewegung nach Deutschland in den späten 1980er und in den 1990 Jahren.

  • Galerie 2 1

  • Galerie 2 2

  • Galerie 2 3

2019 übergab Rose Steinmark, die ehemalige Chefdramaturgin des Hauses das einzigartige Theaterarchiv dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte. Dieser Nachlass enthält zahlreiche Originale von Bühnenbild- und Kostümentwürfen, Presseberichten und Kritiken, Programmheften und Tourneebroschüren des Theaters sowie Korrespondenzen des einzigen deutschen Theaters in der Sowjetunion der Nachkriegszeit. Einen großen Wert stellen zahlreiche Presse- und Szenenfotos, Bühnenbild- und Kostümentwürfe verschiedenster Aufführungen. Einen erheblichen Anteil des verwendeten Materials bildet das Negativarchiv des früheren Theaterfotografen Valeri Kramer. Zeitlich umfasst das Material die Periode von 1975 bis 1990.

  • Galerie 3 1

  • Galerie 3 2

  • Galerie 3 3

Akteure und Zeitzeugen dieser besonderen Geschichte berichten in der Webdokumentation über ihre eigenen Erlebnisse in und mit dieser Kulturinstitution. Sie sprechen über ihre Jugendträume und Idealismus, über Kämpfe für die Gerechtigkeit und um politische Rehabilitierung, über die Beschattung durch den KGB und Schikanen der Zensurbehörden. Aber auch über ihre Entscheidungsfindungen in der Frage zwischen Bleiben und Gehen.

  • Galerie 4 1

  • Galerie 4 2

Eine Webdokumentation von Alexej Getmann, Edwin Warkentin und Arkadiy Tsirulnikov
Unter Mitwirkung von Dr. Alfred Eisfeld, Jan Pöhlking, Charlotte Warkentin

Ein Projekt des Kulturreferats für Russlanddeutsche, des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung, des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte sowie der Ruhruniversität Bochum – Osteuropäische Studien mit Praxisbezug

Erschienen im November 2021 auf dem Portal Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • Bundesregierung

  • Copernico

  • Herder Institut

  • Studien

  • Russlanddeutsche

  • Kulturreferat

projekte

Weiterlesen … Auch wir treten aus unserer Rolle heraus

  • Aufrufe: 4196

Geschichten von Menschen und Tieren

Das erste Kinderbuch, aus dem ihm seine Großmutter vorlas, war alt, aber schön farbig und geheimnisvoll. Es enthielt Geschichten über Menschen und Tiere aus dem 19. Jahrhundert. Durch die Beschäftigung mit diesem Buch hat der Künstler A.T. Schaefer nicht nur die ungewöhnliche Geschichte seiner aus Sankt Petersburg stammenden Familie aufgearbeitet, sondern ein Fenster in eine Epoche auf der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert geöffnet.

  • Galerie 4

  • Galerie 1

  • Galerie 3

©Kulturreferat für Russlanddeutsche

Aus der familiären Überlieferung erfuhr er die dramatischen Umstände der Flucht seiner Großmutter, einer angehenden Solistin des weltberühmten Mariinski Theaters nach der russischen Oktoberrevolution. Als eines der wenigen Gepäckstücke kam das 1885 im heutigen ukrainischen Odessa veröffentlichte und mit Lithographien aus Stuttgart bebilderte Kinderbuch mit. Neu bearbeitet, übersetzt und ästhetisch erweitert, wird das Buch unter dem Titel „Geschichten von Menschen und Tieren“ zu neuem Leben erweckt und erscheint nun im B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach.

A.T. Schaefer stammt aus Westfalen, studierte Malerei und Design und arbeitet seit 1981 hauptsächlich als Fotograf. Er stellte unter anderem in der Kunsthalle Bielefeld, Museum Ludwig in Köln und in der Staatsgalerie Stuttgart und anderen Museen aus. Als Autor themenzentrierter Bücher und Aufnahmen von Opern- und Theaterinszenierungen in Europa hat er sich einen Namen gemacht.
Mehr über den Künstler unter: www.atschaefer.de

Die Ausstellung und die Präsentation ist ein Kooperationsprojekt des Kulturreferats für Russlanddeutsche und des Landestheaters Detmold.

Das Buch kann im Museumshop unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. bestellt werden.

projekte

Weiterlesen … Geschichten von Menschen und Tieren

  • Aufrufe: 3375

Startseite

Herzlich Willkommen
im Museum für
Russlanddeutsche Kulturgeschichte.

Russlanddeutsche - Wer sind sie? Wo kommen sie her? Wie haben sie gelebt? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns als Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold. Das Museum ist ein lebendiger Ort der Begegnung und des Austauschs. Es baut Brücken zwischen der Geschichte und der Gegenwart der Russlanddeutschen in Deutschland.

„Völker entsaget
dem Hass.
Versöhnt euch,
dienet dem Frieden.
Baut Brücken zueinander.“
Friedland Gedächtnisstätte

Aktuelles

weitere Beiträge


Newsletter


Bleibe auf dem neusten Stand

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.

Einverstanden
DEIN WEG
ZU UNS

Museum für
russlanddeutsche
Kulturgeschichte

Das erste Escape
Game im Museum
Lost Roots ist das erste Live Escape Game in Detmold. Erlebe mit Deinen Freunden oder Deiner Familie ein packendes Abenteuer voller Rätsel und unerwarteter Wendungen. Gemeinsam helft ihr einem Privatdetektiv die dunkle Vergangenheit seines Klienten aufzudecken!

Mehr erfahren

Weiterlesen … Startseite

  • Aufrufe: 689618

Schweigeminuten

LITERARISCHE VIDEOBEITRÄGE ZU EINER VIELSTIMMIGEN ERINNERUNGSKULTUR ANLÄSSLICH DES 80. JAHRESTAGS DER DEPORTATION DER RUSSLANDDEUTSCHEN

Was empfindet ein Mensch, dessen Biografie oder Familiengeschichte nicht in das offizielle geschichtliche Narrativ der Gesellschaft passt, in der er lebt? Wie können Gedenken und Erinnern Würde verleihen oder sogar Traumata bewältigen? 2,5 Millionen Bundesbürger russlanddeutscher Herkunft gedenken im Sommer 2021 an das Kriegsfolgenschicksal ihrer Eltern- und Großelterngeneration. Sieben Autorinnen und Autoren sprechen im Projekt „Schweigeminuten“ über die Bedeutung dieses Themas für die Gesamtgesellschaft und ihren persönlichen Umgang damit.

Im Juni 1941 überfällt Nazideutschland die Sowjetunion: „Unbedingt aussiedeln – mit Gewalt“ lautet Stalins Begleitnotiz unter der Vorlage zum Deportationserlass im August 1941, mit dem Bürger deutscher Herkunft, die auf seinem Territorium leben für die folgenden Jahrzehnte willkürlich und pauschal als innere Feinde gebrandmarkt werden. Für Russlanddeutsche beginnt damit das, was heute als ihr Kriegsfolgenschicksal bezeichnet wird: Verbannung, Zwangsarbeit, Sonderaufsicht. Diejenigen, denen es gelingt aus der Sowjetunion zu fliehen, werden nach Kriegsende rücküberstellt und des Vaterlandverrates bezichtigt. Es folgen auch hier: Lager, Entrechtung, Stigma.

Verdrängt und unaufgearbeitet wirkt dieses Kollektivtrauma über Generationen hinweg bis heute nach. Sprachlosigkeit und Schweigen prägten die Kommunikation vieler russlanddeutscher Familien von innen. Das Verschweigen und Verdrängen ihrer Erfahrungen bestimmte die Erinnerungskultur von außen. Am Ende der Kette stehen der Sprachverlust und das Vergessen. Das Kriegsfolgenschicksal bildete aber auch den humanitären Aufnahmegrund der davon Betroffenen in Deutschland. Warum bin ich hier, ist eine Frage, mit der sich die heutigen Generationen zunehmend laut beschäftigen. Warum sind sie hier, fragt sich ein großer Teil der Mehrheitsgesellschaft.

In der Beitragsreihe „Schweigeminuten“ stellen Eleonora Hummel, Melitta L. Roth, Artur Rosenstern, Viktor Funk, Christina Pauls, Felix Riefer und Katharina Heinrich ihre Ansichten über die verschiedenen Aspekte der Aufarbeitung dieser in der Öffentlichkeit kaum bekannten Folgen des Zweiten Weltkrieges dar. Und zwar aus der Perspektive der Nachgeborenen. In ihren essayistischen oder belletristischen Texten werfen die Autor*innen folgende Fragen auf: Was ändert sich in der Erinnerungskultur der Russlanddeutschen? Wie ist der gegenwärtige Umgang mit dem Kriegsfolgenschicksal der Großelterngeneration? Wird das Sprechen darüber von der Öffentlichkeit weiterhin lediglich als ein Opfernarrativ einer zugezogenen Personengruppe betrachtet? Kann seine Integration in die Aufarbeitungsdiskurse der Mehrheitsgesellschaft gelingen?

Das Projekt will der Ambivalenz, Komplexität, Vielfalt dieses Kapitels der deutschen Nachkriegsgeschichte Form und Sprache verleihen. Es will Wege in eine Auseinandersetzung mit einer Kollektiverinnerung nach dem Ableben der Zeitzeugen beschreiten und Möglichkeiten eröffnen, damit an die aktuellen Debatten um den gesellschaftlichen Zusammenhalt anzuknüpfen.

Ein Projekt des Kulturreferates für Russlanddeutsche und des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte Anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation der Russlanddeutschen Idee und Konzept: Melitta L. Roth und Edwin Warkentin Kamera, Bild und Ton: Edwin Bill Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

projekte

Weiterlesen … Schweigeminuten

  • Aufrufe: 787

Mein Name ist Eugen

Gespräche über das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen

„Dreizehn junge Russlanddeutsche tragen den Namen Eugen. Sie sind sich noch nie begegnet, und doch teilen sei eine prägnante Erfahrung: sie alle hießen früher Evgenij. Ihre Geschichten und Erlebnisse sind einzigartig. Der Autor Eugen Litwinow reiste mit Ihnen in die Vergangenheit und führte lange Gespräche über das Aufwachsen in der ehemaligen Sowjetunion, ihre Ansichten zum Namenswechsel und über das Leben in Deutschland.“ (Quelle)

In dem 2013 entstandenen Buchprojekt setzt sich der Autor mit der von der Soziologie als „mitgebracht“ bezeichneten Generation junger russlanddeutscher Spätaussiedler auseinander. Ausgehend von der gemeinsamen Erfahrung des Namenswechsels von Evgenij zu Eugen nach ihrer Aussiedlung nach Deutschland konzentrierte sich Litwinow in seiner Arbeit auf die persönlichen Empfindungen und Erfahrungen einzelner Jugendlicher auch außerhalb der großen Themen der Tagespolitik. Auf eine ästhetisch ansprechende Weise portraitiert er seine Protagonisten als mündige Individuen und gibt ihnen die Gelegenheit sich zu Wort zu melden.

Das Kulturreferat bietet die Ausstellung zum Buch an, die aus Portraitbilder und Infotafeln besteht, und führt Workshops zu Themen russlanddeutscher (Spät-)Aussiedler in der Migrationsgesellschaft durch.

Anbei das Infoblatt

Aktuelle Informationen, Programme und Anmeldungen unter Aktuelles

projekte

Weiterlesen … Mein Name ist Eugen

  • Aufrufe: 5657