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Auch wir treten aus unserer Rolle heraus

Webdokumentation über das Deutsche Schauspieltheater in Temirtau und die Deutschen in der Sowjetunion zwischen Bleiben und Gehen.

Mit dem Satz „Wir treten aus unserer Rolle heraus“ begann die Resolution der ostdeutschen Theater, in der 1989 politische Reformen eingefordert wurden. Im Herbst 1990 gastierte das Deutsche Schauspieltheater Temirtau mit den Stücken AUF DEN WOGEN DER JAHRHUNDERTE und MENSCHEN UND SCHICKSALE in der noch-DDR. Mit diesen Dramen wurde zum ersten Mal öffentlich die Auswirkungen der stalinistischen Terrorherrschaft auf die deutsche Minderheit thematisiert, was einem unerhörten Tabubruch im damaligen System nahekam. Dabei sollte das Minderheitentheater ursprünglich nach Vorstellungen der Kulturbehörden die Sowjetdeutschen auf den ideologische Kurs der Partei bringen. Zusammen mit ihren ostdeutschen KollegInnen erlebten die russlanddeutschen SchauspielerInnen hoffnungsvoll und euphorisiert hautnah die Wiedervereinigung. Aber nur fünf Jahre später verließen die letzten TheatermacherInnen ihrem Publikum folgend ihre Heimat, um sich als Aussiedler im vereinigten Deutschland dauerhaft niedergelassen.

In der Webdokumentation werden Stationen dieser einzigartigen Institution entlang der politischen Entwicklungen in der Sowjetunion und speziell um die Russlanddeutschen in der Zeit zwischen 1975 und 1990 nachgezeichnet. Die Themen und Anliegen der 1980 in der Kasachischen Steppe gegründeten einzigen professionellen deutschsprachigen Bühne der späten Sowjetunion bewegten sich auf und neben der Bühne zwischen Anpassung an die Realien der reaktionären Zeit der späten 1970er und Anfang 1980er Jahre, aktiver Mitwirkung an gesellschaftlichen Reformprozessen der kurzen Demokratisierungsperiode 1985-1990, bis zur Resignation an den postsowjetischen Krisen, nicht eingehaltenen Versprechen der Behörden und dem Massenexodus der Russlanddeutschen nach Deutschland.

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Trotz demokratischer Umbrüche, zu denen das Wirken des Theaters mitbeitrug, trotz oder auch wegen einiger Zugeständnisse an die Minderheit, entschieden sich in der Zeit zwischen 1988 und 2000 etwa 1,5 Millionen Menschen für die Aussiedlung nach Deutschland. Eine bis dahin etwa 200-jährige Siedlungsgeschichte einst gerufener Kolonisten und Fachleute ging nach vielen Höhen und dramatischen Tiefen jäh zu Ende. In der Auseinandersetzung mit dieser einzigartigen Institution und deren Akteuren schildert die Webdokumentation die Umstände und Motive dieser Migrationsbewegung nach Deutschland in den späten 1980er und in den 1990 Jahren.

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2019 übergab Rose Steinmark, die ehemalige Chefdramaturgin des Hauses das einzigartige Theaterarchiv dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte. Dieser Nachlass enthält zahlreiche Originale von Bühnenbild- und Kostümentwürfen, Presseberichten und Kritiken, Programmheften und Tourneebroschüren des Theaters sowie Korrespondenzen des einzigen deutschen Theaters in der Sowjetunion der Nachkriegszeit. Einen großen Wert stellen zahlreiche Presse- und Szenenfotos, Bühnenbild- und Kostümentwürfe verschiedenster Aufführungen. Einen erheblichen Anteil des verwendeten Materials bildet das Negativarchiv des früheren Theaterfotografen Valeri Kramer. Zeitlich umfasst das Material die Periode von 1975 bis 1990.

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Akteure und Zeitzeugen dieser besonderen Geschichte berichten in der Webdokumentation über ihre eigenen Erlebnisse in und mit dieser Kulturinstitution. Sie sprechen über ihre Jugendträume und Idealismus, über Kämpfe für die Gerechtigkeit und um politische Rehabilitierung, über die Beschattung durch den KGB und Schikanen der Zensurbehörden. Aber auch über ihre Entscheidungsfindungen in der Frage zwischen Bleiben und Gehen.

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Eine Webdokumentation von Alexej Getmann, Edwin Warkentin und Arkadiy Tsirulnikov
Unter Mitwirkung von Dr. Alfred Eisfeld, Jan Pöhlking, Charlotte Warkentin

Ein Projekt des Kulturreferats für Russlanddeutsche, des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung, des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte sowie der Ruhruniversität Bochum – Osteuropäische Studien mit Praxisbezug

Erschienen im November 2021 auf dem Portal Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
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Die Kist' von der Wolga

Die Geschichte der Wolgadeutschen miterleben und an wichtigen Ereignissen teilnehmen, können die Zuschauer des Theaterstücks „Die Kist‘ von der Wolga“. Erlebbar machen die Schauspieler diese Geschichte durch die Verkörperung von zum Teil realen Protagonisten dieses literarischen Kulturerbes, wie den Zeugmacher Christian Züge aus Gera, der aus Abenteuerlust unter die Russlandkolonisten ging, aus Russland wieder floh und seine Erlebnisse als Memoiren veröffentlichte.

Das literarisch-szenisches Schauspiel über die Geschichte der Wolgadeutschen ist ein Projekt des Russland-Deutschen Theaters Niederstetten und des Kulturreferats für Russlanddeutsche. Das anlässlich des 100. Gründungstages der Wolgarepublik inszenierte Stück behandelt als ein literarisch-szenisches Schauspiel die Geschichte der Wolgadeutschen. Anhand vieler, bisher kaum der breiten Öffentlichkeit bekannten Texte deutschsprachiger Autoren in Russland aus zwei Jahrhunderten spannen die Schauspieler einen epischen Bogen von der Zeit der Auswanderung aus Deutschland im 18. Jahrhundert bis zum durch Stalin erzwungenen Heimatverlust hunderttausender Russlanddeutscher.

Aktuelle Informationen, Programme und Anmeldungen unter Aktuelles

Die Lokomotive der Perestroika?

Die Lokomotive der Perestroika?

Als erste unter den Sowjetrepubliken erklärten Estland, Lettland und Litauen im Jahr 1990 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Dass die baltischen Staaten dabei nicht nur für ihre eigene Unabhängigkeit eintraten, sondern einen maßgeblichen Anteil am Zerfall der Sowjetunion hatten, war ihnen durchaus bewusst und entsprach ihrem Selbstverständnis. Der litauische Aktivist Algimantas Čekuolis bezeichnete die baltischen Autonomiebewegungen als „Lokomotive der Perestroika“,[1] betonend, dass dies den Anspruch der Baltinnen und Balten als führende Kraft im Streben nach Loslösung von der Fremdherrschaft der Sowjetunion unterstreiche. Inwieweit die baltischen Republiken diese Rolle tatsächlich einnehmen konnten und durch ihre transnationale Agitation zum Zerfall der Sowjetunion beitrugen, soll im Folgenden verdeutlicht werden.

Im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Lockerungen, die durch Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika angestoßen wurden, entwickelten sich in den drei baltischen Teilrepubliken Estland, Lettland und Litauen im Jahr 1988 politische Reformbewegungen. Die sogenannten „Volksfronten“ (estnisch: Rahvarinne, lettisch: Latvijas Tautas Fronte, litauisch: Sąjūdis) wurden zu Sammelbecken verschiedenster reformorientierter Ideen und erhielten breite Unterstützung von einem Großteil der Bevölkerung im Baltikum.[2] Auch die lokalen Kader der Kommunistischen Partei unterstützten die Bestrebungen der Volksfronten in großen Teilen. So erklärte beispielsweise der Oberste Sowjet Estlands bereits 1988 Estlands Souveränität innerhalb der Sowjetunion, was jedoch von der Parteiführung in Moskau sofort wieder annulliert wurde.[3] Nach langem politischem Ringen wurde die Unabhängigkeit der drei Staaten erst im September 1991 auch von sowjetischer Seite offiziell anerkannt.[4]

Die Volksfronten des Baltikums hatten jedoch nie nur für sich allein gekämpft. Bereits 1988 formulierte das Grundsatzprogramm der estnischen Rahvarinne das Ziel, Selbstbestimmung und Souveränität für alle Nationalitäten der Sowjetunion zu erreichen.[5] Dieses Selbstverständnis manifestierte sich in der aktiv eingenommenen Vorreiterrolle des Baltikums sowie in der engen Vernetzung der baltischen Volksfronten.

Abb. 1: Demonstrierende als Teil des Baltischen Wegs bei Vilnius, Litauen

Abb. 2: Demonstrierende als Teil des Baltischen Wegs, Litauen

Betrachtet man die Kooperation innerhalb des Baltikums und darüber hinaus, lassen sich vor allem Verbindungen zu Volksfronten und anderen demokratisch-nationalen Gruppen der westlichen Sowjetrepubliken erkennen. Anfangs ging die Initiative vorwiegend von den baltischen Staaten und ihren Volksfronten aus. Eigene Komitees wurden gegründet, die sich ausschließlich um den Austausch und den Aufbau von anderen Nationalbewegungen kümmerten.[6] Gleichzeitig suchten aber auch andere Nationalbewegungen aktiv nach Unterstützung bei den baltischen Vorbildern. So erhielt beispielsweise die lettische Volksfront Anfragen aus Georgien und Belarus. Dortige Aktivistinnen und Aktivisten baten um Hilfe, um Programme nach dem Vorbild der Latvijas Tautas Fronte zu formulieren. Andere Gruppen, wie die Volksfronten Usbekistans und Armeniens, profitierten von den gut ausgebauten Pressenetzwerken der baltischen Volksfronten, die weniger durch Zensur eingeschränkt waren als in anderen Teilen der Sowjetunion. Artikel aus verschiedenen Teilrepubliken wurden regelmäßig in den baltischen Presseorganen abgedruckt, um sowohl die russische Bevölkerung als auch die westeuropäische Presse zu erreichen, mit der die baltischen Republiken gut vernetzt waren. Sogar Boris Jelzin, der einige Jahre später zum ersten Präsidenten Russlands gewählt wurde, ließ zwischenzeitlich ganze Zeitungsausgaben in Estland drucken. Auch logistische Hilfe kam aus dem Baltikum. So ermöglichten die litauische und die lettische Volksfront Treffen der belarussischen Volksfront in Vilnius und der Demokratischen Liga der Ukraine in Riga, während es diesen Gruppen aufgrund von strengen Auflagen und Widerstand in ihren eigenen Republiken nicht möglich war, sich zu versammeln.[7]

Abb. 3: 1-Litas-Gedenkmünze zum 10-jährigen Jubiläumdes baltischen Weges. Litauen 1999.

Neben diesen direkten Kooperationen beeinflussten die baltischen Volksfronten durch ihre Vorreiterrolle auch indirekt die Entwicklungen in den anderen Sowjetrepubliken. Nach der Gründung der drei Volksfronten im Baltikum folgten weitere Sowjetrepubliken ihrem Beispiel, darunter die ukrainische Volksfront Ruch, die mit über 500.000 Mitgliedern zu einem bedeutenden Akteur in der Ukraine wurde. Ruch und andere Volksfronten übernahmen viele Elemente aus den baltischen Programmen, insbesondere den Fokus auf Sprachgesetze und nationale Selbstbestimmung. Auch symbolische Aktionen wie die Menschenkette von Tallinn über Riga bis nach Vilnius im August 1989 wurden aus dem Baltikum übernommen. So bildeten die Menschen im Januar 1990 sowohl in der Ukraine zwischen Kiew und Lwiw als auch in Moldau nahe der rumänischen Grenze Menschenketten gegen die Sowjetführung. Die Unabhängigkeitserklärungen Lettlands und Estlands, die als erste Republiken ihre Unabhängigkeit forderten (im Unterschied zu Litauen, das zunächst eine Übergangsphase erklärte), dienten vielen anderen Republiken als Vorbild.[8]

Estland, Lettland und Litauen sowie ihre jeweiligen Volksfronten hatten einen unverkennbaren Einfluss auf die Unabhängigkeitsbewegungen in den anderen Teilrepubliken der Sowjetunion. Das zu Beginn zitierte Bild vom Baltikum als Lokomotive der Perestroika findet in Anbetracht der Demokratisierungsprozesse, die in den baltischen Republiken, aber auch durch den Einfluss des Baltikums anderswo angestoßen wurden, seine Bestätigung.

Fußnoten:

[1] Vgl. Algimantas Čekuolis, zitiert in: Muiznieks, Nils, “The Influence of the Baltic Popular Movements on the Process of Soviet Disintegration”, in: Europe-Asia Studies. 47/01, 1995, S. 5.

[2] Vgl. Levits, Egil, „Der Konflikt über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen“, in: Sicherheit und Frieden / Security and Peace.08/03, 1990, S. 141.

[3] Vgl. Winkler, Heinrich August, Geschichte des Westens. Vom Kalten Krieg bis Mauerfall, München 2014, S. 907.

[4] Vgl. Litauen – 30 Jahre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. In: Bundeszentrale für politische Bildung Online, 09.03.2020, URL: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/202394/litauen-30-jahre-unabhaengigkeit-von-der-sowjetunion/#:~:text=Mehrparteien%2DParlament%20statt.-,11.,Mai%20Estland [letzter Zugriff: 15.12.2023].

[5] Vgl. Popular Front of Estonia: Charter, General Programme, Resolutions, Manifesto. Tallinn, 1989, S.18.

[6] Vgl. Lazda, Mara, „Reconsidering Nationalism: The Baltic Case of Latvia in 1989“, in: International Journal of Politics, Culture, and Society. 22/4, 2009, S. 529.

[7] Vgl. Muiznieks, Nils, “The Influence of the Baltic Popular Movements on the Process of Soviet Disintegration”, in: Europe-Asia Studies. 47/01, 1995, S. 9ff.

[8] Vgl. Muiznieks, Baltic Popular Movements, 1995, S. 14f.


Literatur- und Quellenverzeichnis:

  • Lazda, Mara, „Reconsidering Nationalism: The Baltic Case of Latvia in 1989“, in: International Journal of Politics, Culture, and Society. 22/4, 2009, S. 517–536.
  • Levits, Egil, „Der Konflikt über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen“, in: Sicherheit und Frieden / Security and Peace. 08/03, 1990, S. 139-142.
  • Litauen – 30 Jahre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. In: Bundeszentrale für politische Bildung Online, 09.03.2020, URL: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/202394/litauen-30-jahre-unabhaengigkeit-von-der-sowjetunion/#:~:text=Mehrparteien%2DParlament%20statt.-,11.,Mai%20Estland [letzter Zugriff: 15.12.2023].
  • Muiznieks, Nils, “The Influence of the Baltic Popular Movements on the Process of Soviet Disintegration”, in: Europe-Asia Studies. 47/01, 1995, S. 3-25.
  • Popular Front of Estonia: Charter, General Programme, Resolutions, Manifesto. Tallinn, 1989.
  • Winkler, Heinrich August, Geschichte des Westens. Vom Kalten Krieg bis Mauerfall, München, 2014.

Bildquellenverzeichnis:

Abbildung 1: Ščiavinskas, Vladas, Lithuanian State Central Archives, 23.08.1989, CC BY 4.0, URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Segment_of_the_Baltic_Way_on_the_motorway_in_Vilnius,_Lithuania.jpg [letzter Zugriff: 14.05.2024].

Abbildung 2: Laimonis Stīpnieks, 23.08.1989, CC BY 4.0, URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baltic_Way_in_Latvia_between_C%C4%93sis_and_Valmiera.jpeg [letzter Zugriff: 14.05.2024].

Abbildung 3: Lietuvos Bankas, CC BY 4.0, URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LT-1999-1litas-Baltijos_kelias-b.png[letzter Zugriff: 14.05.2024].

Geschichten von Menschen und Tieren

Das erste Kinderbuch, aus dem ihm seine Großmutter vorlas, war alt, aber schön farbig und geheimnisvoll. Es enthielt Geschichten über Menschen und Tiere aus dem 19. Jahrhundert. Durch die Beschäftigung mit diesem Buch hat der Künstler A.T. Schaefer nicht nur die ungewöhnliche Geschichte seiner aus Sankt Petersburg stammenden Familie aufgearbeitet, sondern ein Fenster in eine Epoche auf der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert geöffnet.

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©Kulturreferat für Russlanddeutsche

Aus der familiären Überlieferung erfuhr er die dramatischen Umstände der Flucht seiner Großmutter, einer angehenden Solistin des weltberühmten Mariinski Theaters nach der russischen Oktoberrevolution. Als eines der wenigen Gepäckstücke kam das 1885 im heutigen ukrainischen Odessa veröffentlichte und mit Lithographien aus Stuttgart bebilderte Kinderbuch mit. Neu bearbeitet, übersetzt und ästhetisch erweitert, wird das Buch unter dem Titel „Geschichten von Menschen und Tieren“ zu neuem Leben erweckt und erscheint nun im B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach.

A.T. Schaefer stammt aus Westfalen, studierte Malerei und Design und arbeitet seit 1981 hauptsächlich als Fotograf. Er stellte unter anderem in der Kunsthalle Bielefeld, Museum Ludwig in Köln und in der Staatsgalerie Stuttgart und anderen Museen aus. Als Autor themenzentrierter Bücher und Aufnahmen von Opern- und Theaterinszenierungen in Europa hat er sich einen Namen gemacht.
Mehr über den Künstler unter: www.atschaefer.de

Die Ausstellung und die Präsentation ist ein Kooperationsprojekt des Kulturreferats für Russlanddeutsche und des Landestheaters Detmold.

Das Buch kann im Museumshop unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. bestellt werden.

Gestern „Die Mitgebrachten“ – heute „Generation PostOst“

Sowjetische Vergangenheit und bundesrepublikanische Gegenwart der Nachfolgegeneration russlanddeutscher Aussiedler.
Tagung am 3. Oktober 2022 am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold.

Die „Mitgebrachten“? Generation „PostOst“? Die namentlichen Zuschreibungen für die Kinder- und Nachfolgegeneration der nach Deutschland übergesiedelten Russlanddeutschen sind ebenso vielfältig wie sie nur begrenzt dafür geeignet sind, die besonderen Erfahrungen dieser Menschen zu fassen. Einer anderen Gruppe geht es ähnlich: den Menschen, die als Kinder und Jugendliche das Ende der DDR und die darauffolgende Transformationsphase miterlebt haben.

Die Tagung setzte sich erstmals mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Lebenserfahrungen von „Aussiedlerkindern“ und „Wendekindern“ auseinander.

Dabei sollen Angehörige dieser Generation selbst zu Wort kommen, die – im Gegensatz zu ihren Eltern und Großeltern – ihre Sprache(n) gefunden haben. Sie artikulieren ihre eigenen Lebensvorstellungen in Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik.

In Vorträgen, Diskussionen und interaktiven Seminaren wurden Geschichten, Erfahrungen, Perspektiven und Wünsche gemeinsam mit Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern diskutiert und aufbereitet. Die Tagung richtete sich gezielt an ein junges Publikum, wobei alle Generationen willkommen waren. Sie sollte bewusst am Tag der Deutschen Einheit stattfinden, der eine entscheidende Wegmarke für die Lebensgeschichten der Nachfolgegenerationen bildet und ihre gesamtdeutsche Bedeutung unterstreicht.

Zum ausführlichen Tagungsbericht

Das Projekt wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

  • Aufarbeitung

  • Deutsche Gesellschaft

Weitere Projektpartner- und Förderer
  • Bundesregierung

  • Russlanddeutsche

  • Kulturreferat

  • Nord Ost Institut

Jugend-Sommer-Werkstatt Detmold

Gemeinsam mit dem DJO-Deutsche Jugend in Europa wurde 2018 dieses internationale Format ins Leben gerufen und ist als Workshop für Jugendgruppenleiter, Studierende und interessierte Multiplikatoren konzipiert, die sich mit Fragen der Geschichtsvermittlung, kultureller Bildung, Medienpädagogik, Migration oder gesellschaftlicher Diversität im Jugendbereich beschäftigen.

Auf der Grundlage des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold werden Vermittlungsmethoden und best-practice Beispiele präsentiert. Jeweils im Sommer treffen sich Vertreter von Jugendorganisationen aus der Ukraine, der Russischen Föderation und Deutschland in Detmold, entwickeln gemeinsam Projekte und vernetzen sich.

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Junge Russlanddeutsche und der Ukrainekrieg

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat unsere Gesellschaft tief erschüttert. Einen Teil – die Russlanddeutschen – auf eine besondere Weise. Viele von ihnen zeigten sich unmittelbar und tatkräftig solidarisch mit der Ukraine. In der öffentlichen Wahrnehmung dominierte bisweilen die Darstellung einer pro-russisch eingestellten Gemeinschaft. Zugleich haben die unterschiedlichen Einstellungen sowie die Selbst- und Fremdwahrnehmung oft tiefe Risse innerhalb russlanddeutscher Familien und Verbände verursacht und offenbart. Zu dem Spannungsverhältnis von Herkunft und Gegenwart möchten wir vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges mit jungen Russlanddeutschen arbeiten.

Das Format wird in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft e.V. und der Akademie am Tönsberg e.V. in Oerlinghausen umgesetzt. In das Programm aus Vorträgen, Diskussionen und Workshops wird das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte einbezogen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich in einer geschützten Atmosphäre austauschen. Integraler Bestandteil des Formats sind eigene Projekte der Teilnehmer, die diese mit der technischen und inhaltlichen Unterstützung der Referentinnen und Referenten entwickeln, weiterbearbeiten und präsentieren. Für ihre Auseinandersetzung mit den hier skizzierten Fragen können die Teilnehmer drei Formate wählen: Podcasts, Vlogs sowie digital gestaltete Text-Bild-Essays.

Wir freuen uns, dass die Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Frau Natalie Pawlik MdB, die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat.

Ein Veranstaltungsfaltblatt inklusive Programm finden Sie hier.

Die Bewerbungsphase läuft ab sofort bis zum 05.03.2023. Bitte füllen Sie dafür das Google Formular aus.

Anmeldung & Projektleitung

Dr. Vincent Regente
Leiter Abt. EU & Europa
Tel.Nr.: +49 (0)30 88 412 288
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Das Projekt wird gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Weitere Projektpartner- und Förderer
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  • Bundesregierung

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  • Deutsche Gesellschaft

  • Akademie Am Toensberg

Kulturhistorisches Seminar

Wie entstehen öffentlichkeitsrelevante und wissenschaftlich basierte Projekte zu Themen der russlanddeutschen Minderheit oder den (Spät-) Aussiedlern in Deutschland? Welche Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit in akademischen, zivilgesellschaftlichen oder kulturellen Formaten bietet dieses gemeinsame Kulturerbe? In dem internationalen Kolloquium stellen Wissenschaftler, Kulturschaffende sowie Vertreter der Zivilgesellschaft aus Deutschland und der Russischen Föderation ihre neuesten Projekte vor und tauschen sich über aktuelle Methoden in der Vermittlungspraxis aus.

Dieses praxisorientierte Angebot richtet sich insbesondere an Studierende, junge Wissenschaftler sowie Kultur- und Bürgerinitiativen mit Schwerpunkten in der internationalen Zusammenarbeit, dem deutschen Kulturerbe in postsowjetischen Staaten und kulturellen Bildung.

Ein Projekt des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur und dem Kulturreferat für Russlanddeutsche, in Kooperation mit dem Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, dem Institut für Ethnokulturelle Bildung – BiZ sowie dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland.

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lost history – shared memories

Seit der deutschen Wiedervereinigung kommt die Mehrheit der ZuwanderInnen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Wenn die Gründe ihrer Zuwanderung auch vielfältig sind, so teilen viele von ihnen doch ähnliche Kollektiverinnerungen: ihre Eltern und Großeltern waren aufgrund ihrer jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit unter Stalin pauschal der Kollaboration mit der deutschen Wehrmacht verdächtigt und nach Zentralasien und Sibirien deportiert worden. Insgesamt 2,2 Millionen SowjetbürgerInnen gerieten während des deutschen Angriffskrieges von 1941 bis 1944 so zwischen die Fronten von Nationalsozialismus und Stalinismus.

Youtube Vorschau - Video ID aOQJmKNbDvADurch Klicken werden externe Inhalte geladen und die Google-Datenschutzerklärung akzeptiert.

Die Webdokumentation Lost History – Shared Memories soll zur Aufarbeitung der Geschichte von Repressionen in der Sowjetunion beitragen, die heute einen Teil von Kollektiverinnerungen vieler Menschen in Deutschland prägt. Russlanddeutsche und TschetschenInnen teilen ein gemeinsames Erinnerungsmotiv. In dieser Webdokumentation stehen die Protagonisten repräsentativ für all diejenigen Menschen, die eine gegen ihre ethnische Herkunft gerichtete, kollektive Repression und Stigmatisierungen erlebt haben.

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Orte der Erinnerung, der Vermittlung und des Dialogs helfen diese Kollektivgeschichten sichtbar und relevant zu machen. Die Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte ist noch längst nicht abgeschlossen.

Die Premiere von lost history – shared memories fand am 7. April 2022 im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin statt.

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Die Webdokumentation ist ein Projekt des Instituts für Migrations- und Aussiedlerfragen e.V. (anerkannter Bildungsträger der Bundeszentrale für politische Bildung), Memorial Deutschland e.V. und des Kulturreferats für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


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Mein Name ist Eugen

Gespräche über das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen

„Dreizehn junge Russlanddeutsche tragen den Namen Eugen. Sie sind sich noch nie begegnet, und doch teilen sei eine prägnante Erfahrung: sie alle hießen früher Evgenij. Ihre Geschichten und Erlebnisse sind einzigartig. Der Autor Eugen Litwinow reiste mit Ihnen in die Vergangenheit und führte lange Gespräche über das Aufwachsen in der ehemaligen Sowjetunion, ihre Ansichten zum Namenswechsel und über das Leben in Deutschland.“ (Quelle)

In dem 2013 entstandenen Buchprojekt setzt sich der Autor mit der von der Soziologie als „mitgebracht“ bezeichneten Generation junger russlanddeutscher Spätaussiedler auseinander. Ausgehend von der gemeinsamen Erfahrung des Namenswechsels von Evgenij zu Eugen nach ihrer Aussiedlung nach Deutschland konzentrierte sich Litwinow in seiner Arbeit auf die persönlichen Empfindungen und Erfahrungen einzelner Jugendlicher auch außerhalb der großen Themen der Tagespolitik. Auf eine ästhetisch ansprechende Weise portraitiert er seine Protagonisten als mündige Individuen und gibt ihnen die Gelegenheit sich zu Wort zu melden.

Das Kulturreferat bietet die Ausstellung zum Buch an, die aus Portraitbilder und Infotafeln besteht, und führt Workshops zu Themen russlanddeutscher (Spät-)Aussiedler in der Migrationsgesellschaft durch.

Anbei das Infoblatt

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OpenStage



Am 15. November 2025 fand zum zweiten Mal die Open Stage von o[s]tklick in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat für Russlanddeutsche statt, dieses Mal in Stuttgart. Elli Unruh las eindrücklich aus ihrem Roman „Fische im Trüben“ über das Leben einer deutschstämmigen Familie in Kasachstan der 1970er Jahre. Die Songwriterin Sarah Penalba sang mehrere Popsongs, Katharina Eggert trug eigene Lyrik vor und Juliane Lipp stellte ihr Magazin Jolki Palki! über russlanddeutsche Kultur und Geschichte vor. Im Anschluss wurde die Möglichkeit des Get-Together auch noch rege genutzt, es kam zu lebhaften Gesprächen und neuen Kontakten – vielen Dank an alle, die dabei waren.

  • Elli Unruh: Fische im Trüben

    Interview

    Bei der Open Stage am 15. November 2025 las die Autorin Elli Unruh aus ihrem im September im Transit Verlag erschienenen Roman „Fische im Trüben“. Im Interview spricht Elli über die Hintergründe des Romans, der vom Leben einer deutschstämmigen Familie im Kasachstan der 1970er Jahre erzählt.

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  • Jolki Palki! Magazin über russlanddeutsche Identität, Kultur und Geschichte

    Interview

    Bei der Open Stage am 15. November 2025 stellte die Designerin Juliane Lipp das von ihr herausgegebene Magazin Jolki Palki! über russlanddeutsche Identität, Kultur und Geschichte vor. Im Interview spricht sie über die Hintergründe des Magazins.

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  • Recap-Video der Open Stage in Stuttgart

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    Mit dabei waren tolle Beiträge von Elli Unruh, Katharina Eggert, Sarah Penalba und Juliane Lipp. Und vor allem: ihr! Ihr habt alle den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Ein riesiges Dankeschön auch an das Team des Utopia Kiosk für die tolle Zusammenarbeit.

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Schweigeminuten

LITERARISCHE VIDEOBEITRÄGE ZU EINER VIELSTIMMIGEN ERINNERUNGSKULTUR ANLÄSSLICH DES 80. JAHRESTAGS DER DEPORTATION DER RUSSLANDDEUTSCHEN

Was empfindet ein Mensch, dessen Biografie oder Familiengeschichte nicht in das offizielle geschichtliche Narrativ der Gesellschaft passt, in der er lebt? Wie können Gedenken und Erinnern Würde verleihen oder sogar Traumata bewältigen? 2,5 Millionen Bundesbürger russlanddeutscher Herkunft gedenken im Sommer 2021 an das Kriegsfolgenschicksal ihrer Eltern- und Großelterngeneration. Sieben Autorinnen und Autoren sprechen im Projekt „Schweigeminuten“ über die Bedeutung dieses Themas für die Gesamtgesellschaft und ihren persönlichen Umgang damit.

Im Juni 1941 überfällt Nazideutschland die Sowjetunion: „Unbedingt aussiedeln – mit Gewalt“ lautet Stalins Begleitnotiz unter der Vorlage zum Deportationserlass im August 1941, mit dem Bürger deutscher Herkunft, die auf seinem Territorium leben für die folgenden Jahrzehnte willkürlich und pauschal als innere Feinde gebrandmarkt werden. Für Russlanddeutsche beginnt damit das, was heute als ihr Kriegsfolgenschicksal bezeichnet wird: Verbannung, Zwangsarbeit, Sonderaufsicht. Diejenigen, denen es gelingt aus der Sowjetunion zu fliehen, werden nach Kriegsende rücküberstellt und des Vaterlandverrates bezichtigt. Es folgen auch hier: Lager, Entrechtung, Stigma.

Verdrängt und unaufgearbeitet wirkt dieses Kollektivtrauma über Generationen hinweg bis heute nach. Sprachlosigkeit und Schweigen prägten die Kommunikation vieler russlanddeutscher Familien von innen. Das Verschweigen und Verdrängen ihrer Erfahrungen bestimmte die Erinnerungskultur von außen. Am Ende der Kette stehen der Sprachverlust und das Vergessen. Das Kriegsfolgenschicksal bildete aber auch den humanitären Aufnahmegrund der davon Betroffenen in Deutschland. Warum bin ich hier, ist eine Frage, mit der sich die heutigen Generationen zunehmend laut beschäftigen. Warum sind sie hier, fragt sich ein großer Teil der Mehrheitsgesellschaft.

In der Beitragsreihe „Schweigeminuten“ stellen Eleonora Hummel, Melitta L. Roth, Artur Rosenstern, Viktor Funk, Christina Pauls, Felix Riefer und Katharina Heinrich ihre Ansichten über die verschiedenen Aspekte der Aufarbeitung dieser in der Öffentlichkeit kaum bekannten Folgen des Zweiten Weltkrieges dar. Und zwar aus der Perspektive der Nachgeborenen. In ihren essayistischen oder belletristischen Texten werfen die Autor*innen folgende Fragen auf: Was ändert sich in der Erinnerungskultur der Russlanddeutschen? Wie ist der gegenwärtige Umgang mit dem Kriegsfolgenschicksal der Großelterngeneration? Wird das Sprechen darüber von der Öffentlichkeit weiterhin lediglich als ein Opfernarrativ einer zugezogenen Personengruppe betrachtet? Kann seine Integration in die Aufarbeitungsdiskurse der Mehrheitsgesellschaft gelingen?

Das Projekt will der Ambivalenz, Komplexität, Vielfalt dieses Kapitels der deutschen Nachkriegsgeschichte Form und Sprache verleihen. Es will Wege in eine Auseinandersetzung mit einer Kollektiverinnerung nach dem Ableben der Zeitzeugen beschreiten und Möglichkeiten eröffnen, damit an die aktuellen Debatten um den gesellschaftlichen Zusammenhalt anzuknüpfen.

Ein Projekt des Kulturreferates für Russlanddeutsche und des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte Anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation der Russlanddeutschen Idee und Konzept: Melitta L. Roth und Edwin Warkentin Kamera, Bild und Ton: Edwin Bill Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Sprach-Räume

In regelmäßig stattfindenden Lesungsveranstaltungen widmet sich der Kulturreferent dem Kulturerbe der Russlanddeutschen in der Gegenwartsliteratur und ihrem Literaturerbe in der Gegenwartskultur. Im Fokus stehen Werke von Autoren, die sich mit einzigartigen Motiven aus den Erfahrungswelten der Russlanddeutschen in vielfältigen interkulturellen und historischen Facetten befassen.

Erzwungener Sprachverlust, Tabuisierung in der Sowjetunion sowie fehlende Verbindungen in den deutschsprachigen Westen verursachten ein über Jahrzehnte schleichenden Stimmenverlust der Russlanddeutschen. Im Gegensatz zu Literaturen anderer Gruppen deutscher Aussiedler, insbesondere der Deutschen aus Rumänien fristeten Autoren sowie die Motive aus dem russlanddeutschen Spektrum ein nahezu unsichtbares Dasein. Sie bieten jedoch aus gegenwärtiger Perspektive eine einzigartige Melange von Kulturen und historischen sowie sozialen Zusammenhängen. Aktuell erkennt eine junge Generation von Autoren für sich diese spannenden Motive und verarbeitet sie breitenwirksam in ihren Werken. Dabei spielen zunehmend Fragestellungen nach Zugehörigkeit und Fremdheit oder transgenerationellen Traumabewältigung wichtige Rollen.

Aktuelle Informationen, Programme und Anmeldungen auf der Facebook-Seite des Kulturreferats

oder über den Newsletter des Museums

Steppenkinder

Aufgewachsen in einem sozialistischen System, Auswanderung und Neuanfang – solche und viele andere Erfahrungen einen Aussiedler aus postsozialistischen Staaten, die heute in Deutschland leben. Der neue Podcast „Steppenkinder“ will das Spezifische der Russlanddeutschen als eine Gruppe der Aussiedler sichtbar machen. Gleichzeitig geht es den Machern Ira Peter und Edwin Warkentin darum, einer breiten Öffentlichkeit Wissen zu universellen Themen wie Identität, Erinnerungskultur, Migrations- oder Integrationserfahrung zu vermitteln. Dafür sprechen sie mit Interviewgästen aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft.

Ira Peter ist Medien- und Kulturschaffende, Edwin Warkentin Kulturreferent für Russlanddeutsche. Sie gehören zur „mitgebrachten Generation“ der Russlanddeutschen, die im Kindes- und Jugendalter mit ihren Familien aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland einwanderten. Weil beide zudem wie ein Großteil der (Spät-)Aussiedler aus der kasachischen Steppe stammen, nennen sie ihren Podcast „Steppenkinder“. Alle zwei Wochen gibt es eine neue Folge. Der Podcast ist hier sowie über gängige Anbieter wie Spotify und iTunes kostenfrei verfügbar.

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Studentische Blogposts "Die Sowjetunion als Vielvölkerstaat"

Die Sowjetunion als Vielvölkerstaat

Ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kulturreferat für Russlanddeutsche und dem Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Ruhr-Universität Bochum


Einführung zum Projekt von Prof. Dr. Sören Urbansky

Vor einhundert Jahren errichteten die Bolschewiki auf dem Territorium des russländischen Vielvölkerreichs die ethnisch heterogene „Kommunalwohnung“ namens Sowjetunion. Auf die anfangs bewusst inszenierte und geförderte Vielfalt – „national in der Form, sozialistisch im Inhalt“ – folgten die ethnischen Deportationen während des Stalinismus. Mit den Unabhängigkeitserklärungen 1990–1991 zerbrach die multiethnische Wohngemeinschaft endgültig in ihre zahlreichen, teils künstlich geschaffenen Zimmer.

Mittels mehrerer regionaler Sonden zeichnen die Beiträge die Formierung des multiethnischen Charakters der UdSSR von der Konstruktion „roter Nationen“ über Stalins Terror bis hin zur Perestrojka und nachsowjetischen Zeit nach. Sie analysieren, wie und warum die Bolschewiki ethnische Unterschiede im sowjetischen Fundament zementierten und wie Minderheiten die Vor- und Nachteile der Nationalitätenpolitik innerhalb der Sowjetunion erlebten, welche Arrangements sie mit der sowjetischen Ordnung lokal und im Alltag eingingen und welche Widerstände es gab.

Die Autorinnen und Autoren sind allesamt Studierende der Geschichtswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum [mit Ausnahme von Jan Pöhlking]. Die Beiträge sind im Rahmen des gleichnamigen Seminars von Prof. Dr. Sören Urbansky verfasst worden.

Blogposts


  • Stalins Spiel mit dem Hunger:

    Holodomor – ein Genozid?

    von Nesli Bakir

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  • Die Sowjetunion und ihr „rotes Palästina“

    von David Hesbacher

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  • Die Lokomotive der Perestroika?

    von Dorian Klinner

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  • Religion in der Sowjetunion

    Das Überdauern des Islam unter russischer Herrschaft

    von Ertugrul Birinci

     

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  • Eine kurze Utopie?

    Die Gründung der Wolgarepublik zwischen Projektion und sowjetischer Realität

    von Jan Pöhlking

     

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  • Der Historiker als Held

    Mychajlo Hruschewskjs und die Geburt der ukrainischen Nationalidentität

    von Nils Bungardt

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Test Projekt

Seit der deutschen Wiedervereinigung kommt die Mehrheit der ZuwanderInnen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Wenn die Gründe ihrer Zuwanderung auch vielfältig sind, so teilen viele von ihnen doch ähnliche Kollektiverinnerungen: ihre Eltern und Großeltern waren aufgrund ihrer jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit unter Stalin pauschal der Kollaboration mit der deutschen Wehrmacht verdächtigt und nach Zentralasien und Sibirien deportiert worden. Insgesamt 2,2 Millionen SowjetbürgerInnen gerieten während des deutschen Angriffskrieges von 1941 bis 1944 so zwischen die Fronten von Nationalsozialismus und Stalinismus.

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Die Webdokumentation Lost History – Shared Memories soll zur Aufarbeitung der Geschichte von Repressionen in der Sowjetunion beitragen, die heute einen Teil von Kollektiverinnerungen vieler Menschen in Deutschland prägt. Russlanddeutsche und TschetschenInnen teilen ein gemeinsames Erinnerungsmotiv. In dieser Webdokumentation stehen die Protagonisten repräsentativ für all diejenigen Menschen, die eine gegen ihre ethnische Herkunft gerichtete, kollektive Repression und Stigmatisierungen erlebt haben.

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Orte der Erinnerung, der Vermittlung und des Dialogs helfen diese Kollektivgeschichten sichtbar und relevant zu machen. Die Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte ist noch längst nicht abgeschlossen.

Die Premiere von lost history – shared memories fand am 7. April 2022 im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin statt.

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Die Webdokumentation ist ein Projekt des Instituts für Migrations- und Aussiedlerfragen e.V. (anerkannter Bildungsträger der Bundeszentrale für politische Bildung), Memorial Deutschland e.V. und des Kulturreferats für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


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Vergessene Zivilisation

Kirchen der Wolgadeutschen

2012 unternahm Artjom Uffelmann eine fotografische Expedition ins historische Siedlungsgebiet der Wolgadeutschen. Dabei hielt ihre architektonischen Hinterlassenschaften auf belichteten Glasplatten fest. Der Mannheimer Fotograf arbeitet ausschließlich mit Mitteln der Ambrotypie, einem fotographischen Verfahren, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet war.

Zum Zeitpunkt als das fotografische Verfahren der Ambrotypie, in dem Glasplatten im nassen Kolodiumverfahren behandelt werden im Umlauf war, erreichte die deutsche Kulturinsel auf beiden Seiten der unteren Wolga ihre höchste Blüte. Architekturzeugnisse dieser Epoche waren die meist neogotischen Backsteinkirchen inmitten breitangelegter und in russischer Blockhausweise der Bauernhöfe bzw. Backsteineklektik der Kaufleute errichteter Kolonien dieser Siedler. Nach der Deportation 1941 verfielen die meisten Siedlungen. Als stumme Zeugen dieser Zivilisation sind an den vergangenen Wohnstätten nahezu ausschließlich nur noch die Kirchenruinen zu finden.

Der Fotograf Artjom Uffelmann hat wolgadeutsche Wurzeln, ist in Sibirien geboren und im Nordkaukasus aufgewachsen. Später siedelte er mit seiner Familie nach Deutschland aus und lebt in Mannheim. In seiner Photographischen Anstalt beschäftigt er sich mit historischen Techniken der Portrait- und Architekturfotografie.

Die Ausstellung „Vergessene Zivilisation - Kirchen der Wolgadeutschen“ ist über das Kulturreferat für Russlanddeutsche buchbar.

Aktuelle Informationen, Programme und Anmeldungen unter Aktuelles

Wolhynien – Eine europäische Region Deutsch-Ukrainischer Verflechtungsgeschichte(n)

Summer School für ukrainische und deutsche Studierende
15. – 24. August in Linstow und Detmold

Je nach dem, aus welcher Perspektive die nordwestukrainische Region Wolhynien betrachtet wird, kann es im politischen Sinne eine Region am Rande Europas sein oder in einer historisch-kulturellen Betrachtung inmitten Europas liegen. Im allgemeinen Bewusstsein eher unbekannt ist diese Region der heutigen Nordwestukraine durch hunderttausende Lebenswege und Biographien besonders mit Deutschland eng verbunden. Das Nordost-Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa und das Kulturreferat für Russlanddeutsche laden Studierende deutscher und ukrainischer Universitäten zu einer akademisch-kulturellen Begegnung unter dem Motto Regionalgeschichte und deutsches Kulturerbe an der Schnittstelle zwischen Hochschule und Zivilgesellschaft nach Linstow und Detmold ein.

zum Programm

DAS DEUTSCH-UKRAINISCHE KULTURERBE IN DER DEUTSCHEN MUSEENLANDSCHAFT
Museen im mecklenburgischen Linstow und nordrhein-westfälischen Detmold beherbergen das historische Erbe kultureller Verflechtungsgeschichte von Deutschen und Ukrainern. Während sich das Wolhynier Umsiedlermuseum in Mecklenburg-Vorpommern explizit der Kollektivgeschichte, der in der früheren DDR lebenden Deutschen aus Wolhynien widmet, erzählt das Museum in Detmold die Kulturgeschichte der deutschen Minderheit in der Ukraine im Kontext des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Trotz der gewaltigen Migrationsbewegungen aus Wolhynien im 20. Jahrhundert, und der aktuellen Migration durch den Krieg, wirkt auch heute noch eine deutsche Minderheit inmitten der ukrainischen sowie auch der bundesdeutschen Gesellschaft. Sie verknüpft die Zivilgesellschaften und pflegt ein Jahrhunderte altes Kulturerbe.
Rückschau Sommerschule

Das Angebot richtete sich insbesondere an deutsche Studierende mit Schwerpunkt der osteuropäischen Kultur und Geschichte bzw. Germanistik, deutscher Geschichte und Kultur in der Ukraine sowie jeweils angrenzender Disziplinen. Teilnehmer*innen der Summer School konnten neben akademischen Begegnungen mit Expert*innen an musealen sowie wissenschaftlichen Einrichtungen die erinnerungskulturelle Landschaft mit Bezügen zur Kulturregion Wolhynien in Deutschland kennenlernen. Neben Vorträgen und Besichtigungen in Greifswald, Berlin und Göttingen boten wir Raum für aktive und kreative Teilnahme.

Bericht über die Sommerschule in deutscher Sprache

Студенти та викладачі ЛНТУ досліджують історію у Літній школі в Німеччині
Bericht über die Sommerschule in ukrainischer Sprache

In der vom 15. bis zum 24. August 2022 stattgefundenen Sommerschule „Wolhynien – Eine europäische Region deutsch-ukrainischer Verflechtungsgeschichte(n)“ hatten Studierende aus der Ukraine und aus Deutschland die Möglichkeit, sich mit der Geschichte und Kultur der im Herzen Europas liegenden westukrainischen Region Wolhynien zu beschäftigen. Im Fokus standen dabei die verbindenden Elemente der deutsch-ukrainischen Geschichte, wie auch die Bedeutung dieser multiethnischen Region im Prozess der Konsolidierung der europäischen Ordnung. Eine besondere Berücksichtigung fanden dabei Betrachtungen von Migrationsperspektiven zwischen Deutschland und der Ukraine in den Umbrüchen des 19. und 20. Jahrhunderts, die durch den anhaltenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine von einer erschreckenden Aktualität geprägt wurden.

Die vom Kulturreferat für Russlanddeutsche in Kooperation mit dem Nordost-Institut der Universität Hamburg organisierte Sommerschule fand im mecklenburg-vorpommernschen Linstow sowie in Detmold statt und bot dabei eine Mischung aus Impulsvorträgen durch Experten, Exkursionen und gemeinsamer Projektarbeit durch die Teilnehmenden.

Passend zum Thema fand die erste Hälfte der Sommerschule in Linstow statt. Ein Ort, an dem sich nach dem Zweiten Weltkrieg wolhyniendeutsche Flüchtlinge angesiedelt und ein Stück ihrer wolhynischen Heimat in Deutschland wiederaufgebaut hatten. Heute bewahrt das Wolhynier-Umsiedlermuseum dieses besondere deutsch-ukrainische Kulturerbe und die Teilnehmenden konnten in geschichtsträchtiger Kulisse in die vielfältige Thematik einsteigen. Dass die Thematik vielfältig ist, wurde nicht zuletzt anhand des Programms deutlich. Bestand es doch aus wissenschaftlichen Fachvorträgen von Dr. Dmytro Myeshkov und Prof. Mykhailo Kostiuk, aus Inputs über die Organisation der deutschen Minderheit in der Ukraine durch Wolodymyr Leylse und Olha Tybor und natürlich einer Führung durch das Museum. Dazu gab es eine Vielzahl von externen Programmpunkten auf den Exkursionen nach Greifswald und Berlin, wo unter anderem der Lehrstuhl für Ukrainistik der Universität Greifswald, das Pommersche Landesmuseum und das Dokumentationszentrum Flucht und Vertreibung besucht wurden. Über all dem Stand aber die selbstständige Projektarbeit durch die Teilnehmenden. Diese hatten die Möglichkeit, in kleinen Gruppen eigenständige Projektideen zu entwickeln und zu verwirklichen. Dabei konnten sie sich kreativ und spielerisch mit den Inhalten der Sommerschule auseinandersetzen und selbst wählen, auf welches Thema sie gerne einen Schwerpunkt legen möchten, um diesen als abgeschlossenes Projekt dauerhaft zu fixieren.

Am 20.08. ging dann die Arbeit in Detmold im Museum für Russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold weiter. Ähnlich wie in Linstow waren die Programmpunkte auch hier eine Mischung aus Input, Diskussion, eigenständiger Arbeit und Exkursionen. So führte der Kulturreferent Edwin Warkentin anfangs durch das Museum, André Böhm hielt einen Vortrag zur aktuellen Situation in der Ukraine und Dr. Oskar Walter brachte eine Geschichte über das wolhynische Kulturerbe in Kasachstan mit, womit der Rahmen der Veranstaltung auch über die Grenzen Europas erweitert wurde. Dass die Verflechtungen zwischen Deutschland und der Ukraine auch immer Spiegel der Umbrüche und Diktaturerfahrungen des 20. Jahrhunderts sind, wurde unter anderem bei der Exkursion in das Dokumentationszentrum Stalag 326 in Senne deutlich. Dabei handelt es dich um ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager, in dem überwiegend sowjetische, d. h. auch ukrainische Soldaten unter menschenunwürdigsten Zuständen inhaftiert waren. Auch der Besuch des Museums des Grenzdurchgangslagers Friedland, das sich schwerpunktmäßig sowohl der Migrations- als auch der Kriegsgefangengeschichte widmet, machte diese Verflechtungen deutlich: Schließlich kamen sowohl ein Großteil der heimkehrenden deutschen Gefangenen aus dem Osten durch dieses Lager, wie auch später die Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Abgerundet wurde die Exkursion durch eine Fahrt nach Göttingen, wo Dr. Alfred Eisfeld vom Göttinger Arbeitskreis in einem Vortrag den Forschungstand und die Forschungsmöglichkeiten zum Thema der Deutschen in Wolhynien zusammenfasste. Bevor die Sommerschule dann am 24.08. ihr vormaliges Ende fand, wurden die Teilnehmenden aus der Ukraine offiziell durch die Kreisverwaltung vom Kreis Lippe, der Partnerstadt von Luzk, begrüßt bzw. verabschiedet.

Dass die Verflechtungen zwischen der deutschen und der ukrainischen, bzw. wolhynischen Geschichte und Kultur vielfältig sowie ein lohnenswerter und ertragreicher Beschäftigungsgegenstand sind, hat das breit aufgestellte und differenzierte Programm zu zeigen vermocht, noch mehr wurde dies durch die engagierten Studierenden und Referenten offenbar. Denn gerade die ertragreiche Zusammenarbeit zwischen ukrainischen und deutschen Teilnehmenden, die Diskussionen und der Austausch haben eindrücklich gezeigt, dass die Verflechtungen zwischen beiden Ländern eben nicht rein historischer Natur sind, sondern im Jetzt verankert sind und gelebt werden. So sind die Themen der Flucht und der Vertreibung leider wieder aufs Tragischste mit der Ukraine verbunden, aber ebenso, wie die Sommerschule zeigen konnte, auch die Kooperation und die Gemeinsamkeit. In diesem Sinne wollen wir allen Teilnehmenden von ganzem Herzen für die Teilnahme an der Sommerschule und für den gelungenen transkulturellen Austausch danken.

Das Nordost-Institut (IKGN e.V.) in Lüneburg ist eine kulturwissenschaftliche Forschungseinrichtung und kooperiert als „An-Institut“ mit der Universität Hamburg. Es widmet sich der Kultur und Geschichte der Deutschen im nordöstlichen Europa und verbindet Grundlagenforschung mit innovativen Perspektiven der historischen Wissenschaften.

Das Kulturreferat für Russlanddeutsche ist eine durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien geförderte Institution zur Vermittlung von Kultur und Geschichte der Deutschen aus der früheren Sowjetunion. In den Beiträgen und Angeboten des Kulturreferat wird in unterschiedlichen Formaten über die Hintergründe der Migrationen und kultureller Bezüge zwischen Deutschland und den heutigen postsowjetischen Staaten informiert.

Ansprechpersonen

Edwin Warkentin
Jan Pöhlking +49 (0) 5231 – 9216-913
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.